Als Die vom Baierlande wichen aus dem Wege, 1681
Man hörte nachhallen die furchtbaren Schläge:
Da jagten die von Tronje ihren Feinden nach;
Die es nicht büßen wollten, die hatten wenig Gemach.
Da sprach beim Verfolgen Dankwart der Degen: 1682
"Kehren wir nun wieder zurück auf unsern Wegen
Und laßen wir sie reiten: sie sind vom Blute naß.
Wir eilen zu den Freunden: in Treuen rath ich euch das."
Als sie hinwieder kamen, wo der Schade war geschehn, 1683
Da sprach von Tronje Hagen: "Helden, laßt uns sehn,
Wen wir hier vermissen, oder wer uns verlorn
Hier in diesem Streite gieng durch Gelfratens Zorn."
Sie hatten vier verloren; der Schade ließ sich tragen. 1684
Sie waren wohl vergolten; dagegen aber lagen
Deren vom Baierlande mehr als hundert todt.
Den Tronejern waren von Blut die Schilde trüb und roth.
Ein wenig brach aus Wolken des hellen Mondes Licht; 1685
Da sprach wieder Hagen: "Hört, berichtet nicht
Meinen lieben Herren, was hier von uns geschah:
Bis zum Morgen komme ihnen keine Sorge nah."
Als zu ihnen stießen, die da kamen von dem Streit, 1686
Da klagte das Gesinde über Müdigkeit:
"Wie lange sollen wir reiten?" fragte mancher Mann.
Da sprach der kühne Dankwart: "Wir treffen keine Herberg an.
"Ihr müst alle reiten bis an den hellen Tag." 1687
Volker der schnelle, der des Gesindes pflag,
Ließ den Marschall fragen: "Wo kehren wir heut ein?
Wo rasten unsre Pferde und die lieben Herren mein?"
Da sprach der kühne Dankwart: "Ich weiß es nicht zu sagen: 1688
Wir können uns nicht ruhen, bis es beginnt zu tagen;
Wo wir es dann finden, legen wir uns ins Gras."
Als sie die Kunde hörten, wie leid war Etlichen das!
Sie blieben unverrathen vom heißen Blute roth, 1689
Bis daß die Sonne die lichten Stralen bot
Dem Morgen über Berge, wo es der König sah,
Daß sie gestritten hatten: sehr im Zorne sprach er da:
"Wie nun denn, Freund Hagen? Verschmähtet ihr wohl das, 1690
Daß ich euch Hülfe brachte, als euch die Ringe naß
Wurden von dem Blute? Wer hat euch das gethan?"
Da sprach er: "Else that es: der griff nächten uns an.