Bevor der kühne Degen voll erwuchs zum Mann, 23
Da hatt er solche Wunder mit seiner Hand gethan,
Davon man immer wieder singen mag und sagen;
Wir müßen viel verschweigen von ihm in heutigen Tagen.

In seinen besten Zeiten, bei seinen jungen Tagen 24
Mochte man viel Wunder von Siegfrieden sagen,
Wie Ehr an ihm erblühte und wie schön er war zu schaun:
Drum dachten sein in Minne viel der waidlichen Fraun.

Man erzog ihn mit dem Fleiße, wie ihm geziemend war; 25
Was ihm Zucht und Sitte der eigne Sinn gebar!
Das ward noch eine Zierde für seines Vaters Land,
Daß man zu allen Dingen ihn so recht herrlich fand.

Er war nun so erwachsen, mit an den Hof zu gehn. 26
Die Leute sahn ihn gerne; viel Fraun und Mädchen schön
Wünschten wohl, er käme dahin doch immerdar;
Hold waren ihm gar viele, des ward der Degen wohl gewahr.

Selten ohne Hüter man reiten ließ das Kind. 27
Mit Kleidern hieß ihn zieren seine Mutter Siegelind;
Auch pflegten sein die Weisen, denen Ehre war bekannt:
Drum möcht er wohl gewinnen so die Leute wie das Land,

Nun war er in der Stärke, daß er wohl Waffen trug: 28
Wes er dazu bedurfte, des gab man ihm genug.
Schon sann er zu werben um manches schöne Kind;
Die hätten wohl mit Ehren den schönen Siegfried geminnt.

Da ließ sein Vater Siegmund kund thun seinem Lehn, 29
Mit lieben Freunden woll er ein Hofgelag begehn.
Da brachte man die Märe in andrer Könge Land.
Den Heimischen und Gästen gab er Ross und Gewand.

Wen man finden mochte, der nach der Eltern Art 30
Ritter werden sollte, die edeln Knappen zart
Lud man nach dem Lande zu der Lustbarkeit,
Wo sie das Schwert empfiengen mit Siegfried zu gleicher Zeit.

Man mochte Wunder sagen von dem Hofgelag. 31
Siegmund und Siegelind gewannen an dem Tag
Viel Ehre durch die Gaben, die spendet' ihre Hand:
Drum sah man viel der Fremden zu ihnen reiten in das Land.

Vierhundert Schwertdegen sollten gekleidet sein 32
Mit dem jungen Könige. Manch schönes Mägdelein
Sah man am Werk geschäftig: ihm waren alle hold.
Viel edle Steine legten die Frauen da in das Gold,