"Nun straft mich nicht Lügen," sprach Hawarts Unterthan, 2144
"Ich will gerne leisten, was ich euch kund gethan.
Mein Wort soll um Feigheit nicht gebrochen sein:
Sei Hagen noch so gräulich, ich besteh ihn ganz allein."
Zu Füßen warf sich Iring den Freunden und dem Lehn, 2145
Daß sie allein ihn ließen den Recken bestehn.
Das thaten sie doch ungern, ihnen war zu wohl bekannt
Der übermütige Hagen aus der Burgunden Land.
Doch bat er sie so lange, bis es zuletzt geschah. 2146
Als das Ingesinde seinen Willen sah,
Und daß er warb nach Ehre, da ließen sie ihn gehn.
Da ward von den Beiden ein grimmes Streiten gesehn.
Iring der Däne hielt hoch empor den Sper, 2147
Sich deckte mit dem Schilde der theure Degen hehr:
So lief er auf im Sturme zu Hagen vor den Saal.
Da erhob sich von den Degen ein gewaltiger Schall.
Die Spere schößen beide kräftig aus der Hand 2148
Durch die festen Schilde auf ihr licht Gewand,
Daß die Spersplitter hoch in die Lüfte flogen.
Da griffen zu den Schwertern die grimmen Degen verwegen.
Die Kraft des kühnen Hagen war ohne Maßen voll; 2149
Doch schlug nach ihm Iring, daß all die Burg erscholl.
Der Saal und die Thürme erhallten von den Schlägen.
Es konnte seinen Willen doch nicht vollführen der Degen.
Iring ließ Hagen unverwundet stehn: 2150
Auf den Fiedelspieler begann er loszugehn.
Er wähnt', er sollt ihn zwingen mit seinen grimmen Schlägen,
Doch wuste sich zu schirmen dieser zierliche Degen.
Da schlug der Fiedelspieler, daß von des Schildes Rand 2151
Das Gespänge wirbelte von Volkers starker Hand.
Den ließ er wieder stehen; es war ein übler Mann:
Jetzt lief er auf Gunther, den Burgundenkönig, an.
Da war nun Jedweder zum Streite stark genug. 2152
Wie Gunther auf Iring und der auf Gunther schlug,
Das brachte nicht aus Wunden das fließende Blut.
Ihre Rüstung wehrt' es, die war zu fest und zu gut.
Gunthern ließ er stehen und lief Gernoten an. 2153
Das Feuer aus den Ringen er ihm zu haun begann.
Da hätte von Burgunden der starke Gernot
Iring den kühnen beinah gesandt in den Tod.