König Etzels Jammern war so stark und voll, 2348
Wie eines Löwen Stimme dem reichen König scholl
Der Wehruf der Klage; auch ihr schufs große Noth;
Sie weinten übermäßig um des guten Rüdger Tod.

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Achtunddreißigstes Abenteuer.

Wie Dietrichens Recken alle erschlagen wurden.

Der Jammer allenthalben zu solchem Maße schwoll, 2349
Daß von der Wehklage Pallas und Thurm erscholl.
Da vernahm es auch ein Berner, Dietrichs Unterthan:
Der schweren Botschaft willen wie eilends kam er heran!

Da sprach er zu dem Fürsten: "Hört mich, Herr Dieterich, 2350
Was ich noch je erlebte, so herzensjämmerlich
Hört ich noch niemals klagen, als ich jetzt vernahm.
Ich glaube, daß der König nun selber zu der Hochzeit kam,

"Wie wären sonst die Leute all in solcher Noth? 2351
Der König oder Kriemhild Eins ward dem Tod
Von den kühnen Gästen in ihrem Zorn gesellt.
Es weint übermäßig mancher auserwählte Held."

Da sprach der Vogt von Berne: "Ihr Getreun in meinem Lehn, 2352
Seid nicht allzu eilig: was hier auch ist geschehn
Von den Heimathlosen, sie zwang dazu die Noth:
Nun laßt sie des genießen, daß ich ihnen Frieden bot."

Da sprach der kühne Wolfhart: "Ich will zum Saale gehn, 2353
Der Märe nachzufragen, was da sei geschehn,
Und will euch dann berichten, viel lieber Herre mein,
Wenn ich es dort erkunde, wie die Sache möge sein."

Da sprach der edle Dietrich: "Wenn man sich Zorns versieht 2354
Und ungestümes Fragen zur Unzeit dann geschieht,
Das betrübt den Recken allzuleicht den Muth:
Drum will ich nicht, Wolfhart, daß ihr die Frage da thut."