Wenn er bei den Recken auf dem Hofe stand, 140
Wie man noch zur Kurzweil pflegt in allem Land,
Wie stand dann so minniglich das Sieglindenkind,
Daß manche Frau ihm heimlich war von Herzen hold gesinnt.

Er gedacht auch manchmal: "Wie soll das geschehn, 141
Daß ich das edle Mägdlein mit Augen möge sehn,
Die ich von Herzen minne, wie ich schon längst gethan?
Die ist mir noch gar fremde; mit Trauern denk ich daran."

So oft die reichen Könige ritten in ihr Land, 142
So musten auch die Recken mit ihnen all zur Hand.
Auch Siegfried ritt mit ihnen: das war der Frauen leid;
Er litt von ihrer Minne auch Beschwer zu mancher Zeit.

So wohnt' er bei den Herren, das ist alles wahr, 143
In König Gunthers Lande völliglich ein Jahr,
Daß er die Minnigliche in all der Zeit nicht sah,
Durch die ihm bald viel Liebes und auch viel Leides geschah.

* * * * *

Viertes Abenteuer.

Wie Siegfried mit den Sachsen stritt.

Da kamen fremde Mären in König Gunthers Land 144
Durch Boten aus der Ferne ihnen zugesandt
Von unbekannten Recken, die ihnen trugen Haß
Als sie die Rede hörten, gar sehr betrübte sie das.

Die will ich euch nennen: es war Lüdeger 145
Aus der Sachsen Lande, ein mächtger König hehr;
Dazu vom Dänenlande der König Lüdegast:
Die gewannen zu dem Kriege gar manchen herrlichen Gast.

Ihre Boten kamen in König Gunthers Land, 146
Die seine Widersacher hatten hingesandt.
Da frug man um die Märe die Unbekannten gleich
Und führte bald die Boten zu Hofe vor den König reich.