Schön grüßte sie der König und sprach: "Seid willkommen! 147
Wer euch hieher gesendet, hab ich noch nicht vernommen:
Das sollt ihr hören laßen," sprach der König gut.
Da bangten sie gewaltig vor des grimmen Gunther Muth.

"Wollt ihr uns, Herr, erlauben, daß wir euch Bericht 148
Von unsrer Märe sagen, wir hehlen sie euch nicht.
Wir nennen euch die Herren, die uns hieher gesandt:
Lüdegast und Lüdeger die suchen heim euer Land.

Ihren Zorn habt ihr verdienet: wir vernahmen das 149
Gar wohl, die Herren tragen euch beide großen Haß.
Sie wollen heerfahrten gen Worms an den Rhein;
Ihnen helfen viel der Degen: laßt euch das zur Warnung sein.

"Binnen zwölf Wochen muß ihre Fahrt geschehn; 150
Habt ihr nun guter Freunde, so laßt es bald ersehn,
Die euch befrieden helfen die Burgen und das Land:
Hier werden sie verhauen manchen Helm und Schildesrand.

"Oder wollt ihr unterhandeln, so macht es offenbar; 151
So reitet euch so nahe nicht gar manche Schar
Eurer starken Feinde zu bitterm Herzeleid,
Davon verderben müßen viel der Ritter kühn im Streit."

"Nun harrt eine Weile (ich künd euch meinen Muth), 152
Bis ich mich recht bedachte," sprach der König gut.
"Hab ich noch Getreue, denen will ichs sagen,
Diese schwere Botschaft muß ich meinen Freunden klagen."

Dem mächtigen Gunther war es leid genug; 153
Den Botenspruch er heimlich in seinem Herzen trug.
Er hieß berufen Hagen und Andr' in seinem Lehn
Und hieß auch gar geschwinde zu Hof nach Gernoten gehn.

Da kamen ihm die Besten, so viel man deren fand. 154
Er sprach: "Die Feinde wollen heimsuchen unser Land
Mit starken Heerfahrten; das sei euch geklagt.
Es ist gar unverschuldet, daß sie uns haben widersagt."

"Dem wehren wir mit Schwertern," sprach da Gernot, 155
"Da sterben nur, die müßen: die laßet liegen todt.
Ich werde nicht vergeßen darum der Ehre mein:
Unsre Widersacher sollen uns willkommen sein."

Da sprach von Tronje Hagen: "Das dünkt mich nicht gut; 156
Lüdegast und Lüdeger sind voll Uebermuth.
Wir können uns nicht sammeln in so kurzen Tagen,"
So sprach der kühne Recke: "ihr sollt es Siegfrieden sagen."