"Die jemals in Stürmen mochte sein geschehn; 237
Man muß dem Auserwählten die Wahrheit zugestehn.
Die stolzen Burgunden bestanden so die Fahrt,
Daß sie vor allen Schanden die Ehre haben bewahrt.
"Man sah von ihren Händen der Sättel viel geleert, 238
Als so laut das Feld erhallte von manchem lichten Schwert.
Die Recken vom Rheine die ritten allezeit,
Daß ihre Feinde beßer vermieden hätten den Streit.
"Auch die kühnen Tronjer schufen großes Leid, 239
Als mit Volkskräften das Heer sich traf im Streit.
Da schlug so Manchen nieder des kühnen Hagen Hand,
Es wäre viel zu sagen davon in der Burgunden Land.
"Sindold und Hunold in Gernotens Heer 240
Und Rumold der kühne schufen so viel Beschwer,
König Lüdger mag es beklagen allezeit,
Daß er meine Herren am Rhein berief in den Streit.
"Kampf, den allerhöchsten, der irgend da geschah, 241
Vom Ersten bis zum Letzten, den Jemand nur sah,
Hat Siegfried gefochten mit wehrlicher Hand:
Er bringt reiche Geisel her in König Gunthers Land.
"Die zwang mit seinen Kräften der streitbare Held, 242
Wovon der König Lüdegast den Schaden nun behält
Und vom Sachsenlande sein Bruder Lüdeger.
Nun hört meine Märe, viel edle Königin hehr!
"Gefangen hat sie beide Siegfriedens Hand: 243
Nie so mancher Geisel kam in dieses Land,
Als nun seine Kühnheit bringt an den Rhein."
Ihr konnten diese Mären nicht willkommener sein.
"Man führt der Gesunden fünfhundert oder mehr 244
Und der zum Sterben Wunden, wißt, Königin hehr,
Wohl achtzig blutge Bahren her in unser Land:
Die hat zumeist verhauen des kühnen Siegfriedes Hand.
"Die uns im Uebermuthe widersagten hier am Rhein, 245
Die müßen nun Gefangene König Gunthers sein;
Die bringt man mit Freuden her in dieses Land."
Ihre lichte Farb erblühte, als ihr die Märe ward bekannt.
Ihr schönes Antlitz wurde vor Freuden rosenroth, 246
Da lebend war geschieden aus so großer Noth
Der waidliche Recke, Siegfried der junge Mann.
Sie war auch froh der Freunde und that wohl weislich daran.