Die Schöne sprach: "Du machtest mir frohe Mär bekannt: 247
Ich laße dir zum Lohne geben reich Gewand,
Und zehn Mark von Golde heiß ich dir tragen."
Drum mag man solche Botschaft reichen Frauen gerne sagen.
Man gab ihm zum Lohne das Gold und auch das Kleid. 248
Da trat an die Fenster manche schöne Maid
Und schaute nach der Straße, wo man reiten fand
Viel hochherzge Degen in der Burgunden Land.
Da kamen die Gesunden, der Wunden Schar auch kam: 249
Die mochten grüßen hören von Freunden ohne Scham.
Der Wirth ritt seinen Gästen entgegen hocherfreut:
Mit Freuden war beendet all sein mächtiges Leid.
Da empfieng er wohl die Seinen, die Fremden auch zugleich, 250
Wie es nicht anders ziemte dem Könige reich,
Als denen gütlich danken, die da waren kommen,
Daß sie den Sieg mit Ehren im Sturme hatten genommen.
Herr Gunther ließ sich Kunde von seinen Freunden sagen, 251
Wer ihm auf der Reise zu Tode wär erschlagen,
Da hatt er nicht verloren mehr als sechzig Mann;
Die muste man verschmerzen, wie man noch Manchen gethan.
Da brachten die Gesunden zerhauen manchen Rand 252
Und viel zerschlagener Helme in König Gunthers Land.
Das Volk sprang von den Rossen vor des Königs Saal;
Zu liebem Empfange vernahm man fröhlichen Schall.
Da gab man Herbergen den Recken in der Stadt. 253
Der König seine Gäste wohl zu verpflegen bat;
Die Wunden ließ er hüten und warten fleißiglich.
Wohl zeigte seine Milde auch an seinen Feinden sich.
Er sprach zu Lüdegeren: "Nun seid mir willkommen! 254
Ich bin zu großem Schaden durch eure Schuld gekommen:
Der wird mir nun vergolten, wenn ich das schaffen kann.
Gott lohne meinen Freunden: sie haben wohl an mir gethan."
"Wohl mögt ihr ihnen danken," sprach da Lüdeger, 255
"Solche hohe Geisel gewann kein König mehr.
Um ritterlich Gewahrsam bieten wir großes Gut
Und bitten, daß ihr gnädiglich an euern Widersachern thut."
"Ich will euch," sprach er, "Beide ledig laßen gehn; 256
Nur daß meine Feinde hier bei mir bestehn,
Dafür verlang ich Bürgschaft, damit sie nicht mein Land
Räumen ohne Frieden." Darauf boten sie die Hand.