Den ungestümen Willen, den sie erst dargethan. 699
Alles vernahm der König, doch hört ers schweigend an.
Er drückte sie ans Bette, daß sie aufschrie laut:
Des starken Siegfrieds Kräfte schmerzten übel die Braut.
Da griff sie nach der Hüfte, wo sie die Borte fand, 700
Und dacht' ihn zu binden: doch wehrt' es seine Hand,
Daß ihr die Glieder krachten, dazu der ganze Leib.
Da war der Streit zu Ende: da wurde sie Gunthers Weib.
Sie sprach: "Edler König, nimm mir das Leben nicht: 701
Was ich dir that zu Leide, vergüt ich dir nach Pflicht.
Ich wehre mich nicht wieder der edeln Minne dein:
Ich hab es wohl erfahren, daß du magst Frauen Meister sein."
Aufstand da Siegfried, liegen blieb die Maid, 702
Als dächt er abzuwerfen eben nur das Kleid.
Er zog ihr vom Finger ein Ringlein von Gold,
Daß es nicht gewahrte die edle Königin hold,
Auch nahm er ihren Gürtel, eine Borte gut. 703
Ich weiß nicht, geschah es aus hohem Uebermuth.
Er gab ihn seinem Weibe: das ward ihm später leid.
Da lagen bei einander der König und die schöne Maid.
Er pflag der Frauen minniglich, wie es geziemend war: 704
Scham und Zorn verschmerzen muste sie da gar.
Von seinen Heimlichkeiten ihre lichte Farb erblich.
Hei! wie von der Minne die große Kraft ihr entwich!
Da war auch sie nicht stärker als ein ander Weib. 705
Minniglich umfieng er ihren schönen Leib;
Wenn sie noch widerstände, was könnt es sie verfahn?
Das hatt ihr Alles Gunther mit seinem Minnen gethan.
Wie minniglich der Degen da bei der Frauen lag 706
In freundlicher Liebe bis an den lichten Tag!
Inzwischen war Herr Siegfried längst schon hindann:
Da ward er wohl empfangen von einer Frauen wohlgethan.
Er wich allen Fragen aus, die sie erdacht, 707
Und hehlt' ihr noch lang, was er mitgebracht,
Bis er daheim das Kleinod ihr doch am Ende gab:
Das brachte viel der Degen mit ihm selber ins Grab.
Dem Wirth am andern Morgen viel höher stand der Muth, 708
Als am ersten Tage: da ward die Freude gut
In allen seinen Landen bei manchem edeln Mann.
Die er zu Hof geladen, denen ward viel Dienst gethan.