Vierzehn Tage währte diese Lustbarkeit, 709
Daß sich der Schall nicht legte in so langer Zeit
Von aller Lust und Kurzweil, die man erdenken mag.
Wohl verwandte hohe Kosten der König bei dem Hofgelag.
Des edeln Wirthes Freunde, wie es der Herr gewollt, 710
Verschenkten ihm zu Ehren Kleider und rothes Gold,
Silber auch und Rosse an manchen fremden Mann.
Die gerne Gaben nahmen, die schieden fröhlich hindann.
Auch der kühne Siegfried aus dem Niederland 711
Mit seinen tausend Mannen —all das Gewand,
Das sie gebracht zum Rheine, ward ganz dahin gegeben,
Schöne Ross' und Sättel: sie wusten herrlich zu leben.
Bevor die reiche Gabe noch alle war verwandt, 712
Schon daucht es die zu lange, die wollten in ihr Land.
Nie sah man ein Gesinde mehr so wohl verpflegen.
So endete die Hochzeit: da schied von dannen mancher Degen.
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Eilftes Abenteuer.
Wie Siegfried mit seinem Weibe heimkehrte.
Als die Gäste waren gefahren all davon, 713
Da sprach zu dem Gesinde König Siegmunds Sohn:
"Wir wollen auch uns rüsten zur Fahrt in unser Land."
Lieb ward es seinem Weibe, als ihr die Märe ward bekannt.
Sie sprach zu ihrem Manne: "Wann sollen wir nun fahren? 714
So sehr damit zu eilen will ich mich bewahren:
Erst sollen mit mir theilen meine Brüder dieses Land."
Leid war es Siegfrieden, als ers an Kriemhilden fand.
Die Fürsten giengen zu ihm und sprachen alle drei: 715
"Wißt nun, Herr Siegfried, daß euch immer sei
Unser Dienst mit Treue bereit bis in den Tod."
Er neigte sich den Herren, da mans so wohl ihm erbot.