"Wir wolln auch mit euch theilen," sprach Geiselher das Kind, 716
"Das Land und die Burgen, die unser eigen sind,
Und was der weiten Reiche uns ist unterthan;
Ihr empfangt mit Kriemhild euer volles Theil daran."
Der Sohn König Siegmunds sprach zu den Fürsten da, 717
Als er den guten Willen der Herren hört und sah:
"Gott laß euch euer Erbe gesegnet immer sein
Und auch die Leute drinnen: es mag die liebe Fraue mein
"Des Theils wohl entrathen, den ihr ihr wolltet geben: 718
Wo sie soll Krone tragen, mögen wirs erleben,
Da muß sie reicher werden, als wer ist auf der Welt.
Was ihr sonst gebietet, ich bin euch dienstlich gesellt."
Da sprach aber Kriemhild: "Wenn ihr mein Land verschmäht, 719
Um die Burgundendegen es so gering nicht fleht;
Die mag ein König gerne führen in sein Land:
Wohl soll sie mit mir theilen meiner lieben Brüder Hand."
Da sprach König Gernot: "Nimm, die du willst, mit dir. 720
Die gerne mit dir reiten, du findest Viele hier.
Von dreißighundert Recken nimm dir tausend Mann
Zu deinem Hausgesinde." Kriemhild zu senden begann
Nach Hagen von Tronje und nach Ortwein, 721
Ob sie und ihre Freunde Kriemhildens wollten sein.
Da gewann darüber Hagen ein zorniges Leben:
Er sprach: "Uns kann Gunther in der Welt an Niemand vergeben.
"Ander Ingesinde nehmt zu eurer Fahrt; 722
Ihr werdet ja wohl kennen der Tronejer Art.
Wir müßen bei den Königen bleiben so fortan
Und denen ferner dienen, deren Dienst wir stäts versahn."
Sie ließen es bewenden und machten sich bereit. 723
Ihres edeln Ingesindes nahm Kriemhild zum Geleit
Zweiunddreißig Mägdelein und fünfhundert Mann;
Eckewart der Markgraf zog mit Kriemhild hindann.
Da nahmen alle Urlaub, Ritter so wie Knecht, 724
Mägdelein und Frauen: so war es Fug und Recht.
Unter Küssen scheiden sah man sie unverwandt,
Und jene räumten fröhlich dem König Gunther das Land.
Da geleiteten die Freunde sie fern auf ihren Wegen. 725
Allenthalben ließ man ihnen Nachtherberge legen,
Wo sie die nehmen wollten in der Könge Land.
Da wurden bald auch Boten dem König Siegmund gesandt,