Vollauf besaß er Ehre, und hätt ers halb entbehrt, 746
Doch müste man gestehen dem edeln Recken werth,
Daß er der Beste wäre, der je auf Rossen saß.
Man scheute seine Stärke, mit allem Grunde that man das.

* * * * *

Zwölftes Abenteuer.

Wie Gunther Siegfrieden zum Hofgelage lud.

Da dacht auch alle Tage Brunhild die Königin: 747
"Wie trägt nur Frau Kriemhild so übermüthgen Sinn!
Nun ist doch unser Eigen Siegfried ihr Mann:
Der hat uns nun schon lange wenig Dienste gethan."

Das trug sie im Herzen in großer Heimlichkeit; 748
Daß sie ihr fremde blieben, das war der Frauen leid.
Daß man ihr nicht zinste von des Fürsten Land,
Woher das wohl käme, das hätte sie gern erkannt.

Sie versucht' es bei dem König, ob es nicht geschehn 749
Möchte, daß sie Kriemhild noch sollte wiedersehn.
Sie vertraut' ihm heimlich, worauf ihr sann der Muth;
Da dauchte den König der Frauen Rede nicht gut.

"Wie könnten wir sie bringen," sprach der König hehr, 750
"Her zu diesem Lande? das fügt sich nimmermehr.
Sie wohnen uns zu ferne: ich darf sie nicht drum bitten."
Da gab ihm Brunhild Antwort mit gar hochfährtgen Sitten:

"Und wäre noch so mächtig eines Königs Mann, 751
Was ihm sein Herr gebietet, das muß doch sein gethan."
Lächeln muste Gunther ihrer Rede da:
Er nahm es nicht als Dienst an, wenn er Siegfrieden sah.

Sie sprach: "Lieber Herre, bei der Liebe mein, 752
Hilf mir, daß Siegfried und die Schwester dein
Zu diesem Lande kommen und wir sie hier ersehn:
So könnte mir auf Erden nimmer lieber geschehn.