War Dennhardt, was selten, aber doch zuweilen vorkam, ohne Mimi ausgegangen, vielleicht in die Nachbarschaft, um irgend Etwas, was er zu seinen Arbeiten bedurfte, zu holen, und Mimi saß unter der Aufsicht der alten Mama Poisson vor der Thür und erblickte ihn von weitem, dann flog sie ihm, so schnell als es ihre kleinen Füße vermochten, mit flatternden Locken, glänzenden Augen und ausgebreiteten Armen mit dem Rufe: »Mein Papa kommt ... mein Papa kommt ...« entgegen.

Fand sie auf den Spaziergängen eine schöne seltene Blume, so pflückte sie dieselbe nicht eher, als bis der Papa sie bewundert hatte, und sie schlief an keinem Abende ein, ohne ihren Papa geküßt und geherzt zu haben.

Für Walther aber war das Kind der Inbegriff aller irdischen Glückseligkeit. Alle seine Empfindungen, Gedanken, all sein Thun, Handeln drehte sich um seine kleine Mimi. Das Stück französischer Erde, auf welcher er mit ihr lebte, war für ihn die Welt; was hinter diesen bretagnischen Bergen lag, hatte er Alles vergessen.

Die Kämpfe der Parteien wie die Leidenschaften des Herzens, sie hatte er jenseits der grünen Hügel von Morbihan gelassen und Nichts aus der früheren Zeit mit herüber genommen, als die Liebe zu seinem Kinde. Gewiß lieben alle Eltern ihre Kinder, wenn sie keine Rabenherzen im Busen tragen, aber diese Liebe Walther's zu seiner kleinen Mimi war doch noch ganz anderer Art.

Schon ehe das Kind geboren war, liebte er es, und während die Wünsche der Väter in der Regel auf einen Knaben gerichtet sind, wünschte er, daß es eine Tochter sein möchte.

Als nun sein Wunsch erfüllt wurde, da war er so glücklich, so wie es vielleicht ein Jüngling ist, dem endlich aus dem Munde der unendlich Geliebten das Wort der Erhörung wird.

Jetzt nun vollends, wo die Kleine das einzige Wesen war, welches er sein nennen konnte, jetzt hing er mit allen Lebensfasern an ihr und sie war der Mittelpunkt, um welchen sich alle seine Gefühle, Empfindungen, Gedanken, Entwürfe drehten.

Einst, als er mit ihr am Meeresstrande stand, auf jener Düne, wo er an jenem Herbstnachmittag mit dem Kinde saß und spielte – es war sein liebster Ort, den er bei seinen Spaziergängen stets besuchte – frug Mimi, hinüber zu der unendlichen Meeresfläche deutend:

»Papa, wohnen da drüben über dem großen Wasser auch Leute?«

»Gewiß, mein Kind, viele, viele tausend Menschen wohnen dort. Das Land, in welchem sie leben, nennt man England. Wenn Du groß geworden bist, meine Mimi, fahren wir einmal zusammen auf einem Schiffe hinüber und sehen uns die Leute und ihre Städte an.«