Das Kind hatte still und mit einer gewissen andächtigen Miene den Worten des Vaters gelauscht.
Dann hob es sein Köpfchen mit den blonden weichen Locken und den lieben braunen Augen zu dem Vater empor und sprach mit einem Ausdruck kindlichen Ernstes, der gerade, weil er aus einem so jugendlichen, lebensfrischen Munde kam, einen rührenden Eindruck erzeugte:
»Weißt Du was, Papa, ich will gar nicht groß werden ... ich will Deine kleine Mimi bleiben.«
Ein Gefühl urplötzlich aufsteigender Wehmuth bemächtigte sich seiner bei diesen Worten des Kindes und er vermochte nicht eine Thräne, die sich hervordrängte, zu unterdrücken.
»Nicht weinen, Papa,« bat Mimi, indem sie ihre Händchen bittend emporstreckte und als Dennhardt sie zu sich empor hob, legte sie ihr Lockenköpfchen an des Vaters Wange und sprach: »Du bist mein bester, guter Herzenspapa.«
Und dann fing sie an zu lachen und zappelte lustig vom Arme des Vaters herab, lief jauchzend hinter einem Schmetterling her und jubelte laut auf, als sie während dieser Verfolgung in dem weichen Sand stolperte und sanft von der Düne herabrollte, gerade in die ausgebreiteten Arme ihres Papa.
So schwand Monat nach Monat dahin. Dennhardt fühlte sich so glücklich, wie es noch nie in seinem Leben der Fall gewesen.
Es liegt eine so stille, friedliche Seligkeit in der Liebe zu einem Kinde, zu einem so unschuldigen und hülflosen Wesen, es verbreitet sich aus diesem Gefühl ein so sanfter, ruhiger Friede über den ganzen Menschen, über all sein Denken, Thun und Handeln, daß alle andern Empfindungen des Herzens dagegen als aufreibende Leidenschaften erscheinen.
Im schnellen Wechsel fliegen die Jahreszeiten dahin. Wenn der Sommer mit seinem bunten Farbenschimmer von Blumen und Blüthen, mit seinem grünen Schmelz der Wiesen, mit seinem blauen Himmel und goldnen Sonnenlicht dahingegangen war und der Herbst mit seinen kalten Regengüssen, seinen Stürmen auf dem Meere ihm folgte, und Dennhardt mit seinem Kinde daheim bei der knisternden Flamme des Kamins bleiben mußte, dann brach für die kleine Mimi eine Zeit neuen märchenvollen Glückes an.
»Papa, erzähle mir eine Geschichte!« Mit diesen Worten erwachte sie früh in ihrem Bettchen, das dicht neben dem ihres Vaters stand, und mit diesen Worten ging sie schlafen.