In tödtlicher Spannung und Ungewißheit vergingen einige Tage. Täglich kam der Doctor und täglich wußte er für das von Todesqualen erfüllte Herz des Vaters keine andere Antwort, als die furchtbaren Worte: »Das Kind ist sehr krank ... indessen man darf die Hoffnung noch nicht aufgeben.«

Zehn entsetzlich peinvolle Tage und Nächte waren so dahingegangen. Dennhardt's Augen hatten sich während dieser Zeit auch nicht auf eine Minute zum Schlafe geschlossen. Eine alle Nerven und Fibern aufregende, gewöhnliche menschliche Kraft weit übersteigende Willensmacht erhielt ihn munter.

Er wich nicht einen Augenblick von Mimi's Bett, und sein Auge überwachte die geringste Bewegung des Kindes.

Es war in der elften Nacht ihrer Krankheit ... die Gewalt des Fiebers, welches gegen Abend nachgelassen, hatte sich eine Stunde vor Mitternacht wieder heftig gesteigert, der Puls flog in stürmischer Eile ... der Athem war kurz und beklommen ...

»Papa,« sagte plötzlich das Kind, welches während der Krankheit meist stumm und theilnahmlos gegen seine Umgebung sich verhalten hatte, »Papa ... ich kann gar nicht Luft bekommen.«

Es war des Kindes erste Klage, aber sie traf Dennhardt wie der Stoß eines glühenden Schwertes mitten in das Herz hinein!

»Meine gute, liebe Mimi,« sprach er mit halberstickter Stimme, die Kleine sanft emporrichtend und das Bett aufschüttelnd, »ich will Dir ein Kissen unterlegen, Du liegst so niedrig, dann wirst Du auch leichter athmen können.«

Aber er konnte es nicht verwehren, daß ihm zwei Thränen über die Wangen liefen, trotz seiner Anstrengung dem Kinde seinen Schmerz zu verbergen.

Die Kleine sah die Thränen.

»Nicht weinen, Papa,« sagte sie mit ihrer leisen, weichen Stimme und indem sie mit ihren glänzenden Augen aufmerksam ihres Papa's Züge betrachtete. Dann wendete sie sich auf die andere Seite und verfiel wieder in jenen dumpfen Halbschlummer, in welchem weder die Phantasie, noch der Körper ruht, und der nicht sowohl stärkend, als vielmehr erschöpfend wirkt.