Und Fanny? Vergebens hat sie als Gattin des Vicomte von Grandlieu mehrere Jahre Europa nach allen Richtungen durchstreift, um Mimi zu finden.

Sie hat die Hoffnung endlich aufgegeben und sich mit ihrem Manne nach Paris zurückgezogen, wo sie, trotzdem daß der Schmerz seine leserliche Schrift in ihr schönes Antlitz gegraben, noch immer den Mittelpunkt eines glänzenden Kreises bildet, der sich um sie gesammelt.

Ob sie glücklich ist? Wir wagen es nicht zu glauben, denn eine Mutter bleibt immer Mutter, und mitten in dem Geräusch der Feste durchzuckt oft ein stechender Schmerz ihr Herz und eine düstere Trauer umflort ihre Stirn; sie bedeckt sich die Augen und zieht sich in ihr Zimmer zurück, wo sie ihr Gemahl dann von Thränen überfluthet auffindet.

Ahnt sie vielleicht das Geschick ihres Kindes und des Mannes, der einst ihr Gatte war?

Wie dem auch sei, die Ruhe ist von ihr geflohen und sie würde vielleicht den Rest ihres Lebens dahingeben, wenn sie ihr Geschick wieder mit dem jener zwei Seelen vereinigen könnte, deren irdische Hüllen in jenen Gräbern auf der Düne von Morbihan ruhen.

Sie ruhen sanft! Und das Murmeln des Meeres ist ihr ewiges Schlummerlied!

Wien. Druck von Jacob & Holzhausen.


Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.