„Chakalakāle, mwāna ya Kundúngu, mwắnya kwa tāti. ‚Anányile litálla kwa tati Kunampūye.‘ Nikwā́ola ku litīmbe, kuwalimāgắ Chenampūye. Newáidje ku mūssi kwa atati wao. Nigómbaga uti nekugawíraga mussi nekutamăgá.“

Zu deutsch heißt das:

„Chakalakale, ein Kind Gottes, reiste zu (seinem) Vater. ‚Zeigen Sie (mir) den Weg zum Vater Kunampuye.‘ Er ging zum Flußbett, wo den Acker bestellte Chenampuye. Er kam zu (seiner) Heimat und zu seinem Vater. Dann wurde geschossen und (ihm) ein Dorf zugeteilt. Und er bleibt zu Haus.“

Soweit ist alles ganz schön und gut gegangen. Das Lied ist verklungen; mit nicht geringer Mühe haben Matola, Daudi, Knudsen und ich schließlich den authentischen Text festgestellt; auch die Übersetzung ist zur Zufriedenheit vor sich gegangen. Leider aber muß ich es mir nunmehr versagen, die nicht üble Melodie des Liedes auf die Walze zu bannen. Nach den letzten Mißerfolgen in Lindi, hervorgerufen durch die infolge der Hitze eingetretene Weichheit der Aufnahmewalzen, habe ich mein Heil später in Massassi versucht; doch auch dort ist bis auf geringe Ausnahmen nicht viel Brauchbares herausgekommen. Für die Aufnahme allein schadet die Weichheit der Walzenmasse nichts, im Gegenteil, sie ermöglicht sogar ein kräftigeres Eindringen des Stiftes; doch wie will man nachher beim Diktat des Textes dessen Fassung kontrollieren, wenn nicht an der Hand einer Wiedergabe der Aufnahme selbst!

Zu dem vorstehenden Liede ist nicht viel zu bemerken; ich zweifelte zunächst den Begriff Mwana ya Kundungu an, aber Matola und Daudi bestanden auf ihrer Erklärung, nach der es wirklich „ein Kind Gottes“ heiße. Welchen Sinn das Wort hier hat, kann ich nicht sagen; vielleicht ist gar ein Aufständischer damit gemeint; weiter im Norden, in Usagara, Ukami und am Rufidyi belegen sich die Majimaji-Führer in der Tat mit einem Titel von derselben Bedeutung. Das Präfix „ku“ in dem Namen Kunampuye ist gleichbedeutend mit dem Präfix „che“; beide bedeuten Herr oder Frau. —

Endlich sind wir mit Textniederschrift und Übersetzung fertig. Vollkommen stumm haben die Mütter unserem Beginnen zugeschaut; um so lebhafter sind dafür die Geräusche gewesen, die von den Kleinen ausgehen. Man hat in der Afrikaliteratur so unendlich viel von der Glückseligkeit der frühen Kindheit des Negers gesprochen; die Angabe hält jedoch der Probe nicht stand. Kaum ist das kurze Wochenbett vorüber, so wandert das Neugeborene in den Rucksack auf den Rücken der Mutter. Dort hockt es den ganzen Tag; ob die Mutter sich von ihrer Nachbarin die kurzen, krausen Haare zu kunstvoller Frisur aufarbeiten läßt; ob sie am Brunnen ein Schwätzchen macht; ob sie im glühenden Sonnenbrand auf dem Felde hackt, jätet oder erntet; ob sie schließlich in stundenlangem Rhythmus an Reibstein und Mörser das harte Korn zu schneeigem Mehl verarbeitet, oder am abendlichen Herdfeuer kauert, niemals verläßt das junge, rosige Menschenkind diese enge, warme, doch hygienisch durchaus nicht einwandfreie Behausung. Mit der Rosigkeit ist es denn auch bald zu Ende. Die Schärfe des Urins und der Schmutz der Fäkalien, für deren Aufsaugung keine Windel sorgt, beizen tiefe und lange Risse in die Epidermis der Gelenkbeugen; die schrecklichen afrikanischen Fliegen legen wahre Brutherde an den Augenrändern der unglücklichen Kleinen an, ohne daß Vater oder Mutter auch nur eine Hand zum Verjagen der Quälgeister erhöbe — sie sind ja für sich selbst schon, ach! so tolerant gegen jene kleinen Bestien. Triefend und trüb schaut denn auch das Kinderauge, das wir bei unseren europäischen Kleinen mit Recht als das Wunderbarste und Schönste im organischen Leben der Erde bezeichnen dürfen, in die Welt hinaus; Schwämme und Pilze wuchern in dichter, weiß-bläulich schimmernder Masse aus Mund und Nase heraus. Dazu die ewigen Katarrhe. Sie sind die Folge des starken Temperaturwechsels zwischen Tag und Nacht. Vater und Mutter können sich durch ihr nächtliches Feuer und ihre Matten schützen; das Kind benäßt sich, bleibt unberührt und unbeachtet liegen, verliert eine große Menge Wärme und erkältet sich. Daher das allgemeine Gekeuche und Geschnaufe in unserer Barasa.

Zwei Makuamütter.

Die Frauen haben gemerkt, daß wir mit der Programmnummer 1 zu Ende sind; leise, aber wiederum nicht unmelodisch, hebt dieselbe Solostimme wie vorhin an:

Seletu seletu, ssongo katole, tungande ssongo katole.