Der Jumbe von Akundonde besitzt wohl den Vorzug der praktischen Führung, aber er ist kein Theoretiker; um von den Weistümern seines Volkes und der Makua viel zu wissen, ist er wohl noch zu jung. Auch Akundonde selbst schweigt sich aus, vielleicht bedarf es bei ihm immer erst eines stärkeren Reizmittels, wozu ich aber nicht in der Lage bin, zumal wir selbst hier gänzlich auf unsere Konserven, die üblichen mageren Hühner und ein paar von Knudsen erlegte alte Perlhühner angewiesen sind; von der reichlichen Pombezufuhr, wie sie in Massassi und Chingulungulu unser bierfreundliches Herz entzückt hatte, keine Spur. Leichten Herzens sind wir denn auch schon am vierten Tage von Akundonde aufgebrochen, um in dreitägigem Marsch das langersehnte Newala zu erreichen. Stationen: Chingulungulu, wo ein großer Teil unseres Gepäcks liegengeblieben war, sodann Mchauru, ein außerordentlich weitläufig gebauter Ort in der gleichnamigen Landschaft und am gleichnamigen Fluß in den Vorbergen des Makondeplateaus.
Mchauru ist in mehrfacher Beziehung interessant genug; zunächst in topographischer: wohl 20, ja 30 Meter tief in den lockeren Aufschüttungsboden eingeschnitten, zieht sich das Flußbett dahin, in südwestlicher Richtung, dem Rovuma zu; es ist eine wahre Kletterpartie, in diese Klamm hinunterzugelangen. Unten stößt man keineswegs direkt auf fließendes Wasser, sondern man muß auch hier erst noch mindestens 2 Meter tief in den reinen Sand hineingraben, bevor man das unterirdisch abströmende Naß erreicht. Damit rechnen auch die Eingeborenen, auf deren enge, tiefe Wasserlöcher der Wanderer alle Augenblicke stößt. Um so üppiger ist dafür die Vegetation im ganzen Gebiet; woher sie in diesem Gebiet des Regenschattens kommt, ist mir noch nicht ganz klar; möglich, daß der Humusgehalt hier größer ist als an den meisten Stellen der weiten Ebene.
Mchauru ist nicht nur landschaftlich schön, sondern auch ethnographisch berühmt im ganzen Lande; einmal durch einen Fundi, der die schönsten Ebenholznasenpflöcke fertigt und sie am geschmackvollsten mit Zinnstiftchen auslegt, sodann durch den Zauberer Medulla; dieser beiden Personen wegen habe ich überhaupt hier haltgemacht. Der Kipini-Fundi war nicht zu finden; er sei verreist, hieß es; aber Medulla war daheim.
Durch wahre Bananenhaine — für mich ein ganz neuer und ungewohnter Anblick — und ausgedehnte Fruchtfelder von Mais, Bohnen und Erbsen sind wir, d. h. wir beiden Europäer und die engere Garde mit den Apparaten, von unserm an der Barrabarra unter einem riesengroßen Baum aufgeschlagenen Lagerplatz eine kleine Stunde südwestwärts gezogen. Ab und zu führt der Weg im Flußbett entlang; dann ist es ein mühseliges Waten im unergründlichen Sande. Endlich heißt es: wir sind da. Wir klettern einen kleinen Hügel empor und stehen vor einer offenen, schuppenähnlichen Hütte. Ein Negergreis sitzt darin, nicht kauernd nach der Weise der Eingeborenen, sondern wie wir mit ausgestreckten Beinen auf einer Matte. Begrüßung; mein Anliegen: seine Zaubermittel soll er mir erklären und käuflich ablassen, fernerhin aber soll er uns etwas weben. Nur zwei Männer sind nach den Erzählungen der Eingeborenen im ganzen weiten Lande noch in der Lage, dem Fremdling und auch den eigenen Stammesgenossen diese unter der Wucht des eingeführten Kattuns bereits ausgestorbene Kunst vorzuführen. Den einen, einen zittrigen Greis, habe ich vor vielen Wochen in Mkululu kennen gelernt; der andere sitzt jetzt vor mir. Der Mkululumann hat mich arg enttäuscht; von Weben keine Ahnung, auch nichts vom Vorhandensein eines Webstuhls selbst; nur einen mäßig guten Baumwollfaden hat uns der Alte mit seiner Spindel zu bereiten gewußt. Das war alles gewesen.
Versammlung der Teilnehmer an der Festhütte.
Präsentation des Feststoffes durch die Mutter.
Tanz der Alten.