Aber ich wußte in dieser Minute: daß ich lächelnd dies alles wiederholen würde, daß ich singend wie ein Engel van Dycks gegen tausend Mündungen Kanonen gehen könne . . . statt dieser Minute . . . daß dies alles Erlebte eine kleine Prüfung, ein verächtlicher Vergleich und ein Geringes und Unwirkliches an Schwere sei gegen diesen einen Augenblick des Erlebens.

Denn es kam, daß ich vor der tobenden Süßigkeit der Nacht, in der das Leben dunkel rauschte wie ein verschlossener Schwarm von Bienen, daß ich vor der ungeheuerlichen Berauschtheit des Daseins mich hinwarf und weinte und grenzenlos den Tod zu fürchten begann.

Den Tod, der mir eine gemeine Sache, Oberfläche und sehr gering zu schätzen erschien, wo er mir nahe war wie eine Kugel, ein Gift oder ein Dolch . . . und es mir blieb . . . in dieser Form . . . auch späterhin. In dieser Form . . . in dieser Form.

Ich weinte.

Und da schwamm aus dem Schloß das hungrige Begehren einer Geige, hob sich, klirrte wie ein scharfer Käfer, raste um die Hügel, hieb sich verzweifelt sehnsuchtsvoll in die starke Brunst der weißen Bäume und kreiste den Horizont ein in zuckende Tiraden.

Und ich spürte die Hand, welche sie führte, fühlte mit gleichem Gefühl das weiche Fleisch des jungen Mädchens, das sie spielte, die rasche Berührung ihrer Brust, ihres streifenden Beines, das erzitternde weiche Fleisch mit dem silbernen Flaum, die mädchenhafte Weise des wiegenden Gangs, die königliche Süßigkeit . . . und ich brüllte, Schwester! Ich lief in den Hain und brüllte: — Nicht sterben! — brüllte ich. Riß kleine Zweige und zerkaute sie, bohrte das Gesicht in überschäumte Äste, betete, fluchte, weinte . . . es gab keinen Gott, der dies löste.

Ich begriff es nicht: Den Tod belächeln, das Leben fürchten . . .

Aber überall war Tod. Die Blüten brannten furchtbar an den unteren Flächen. Tausendfach schwoll Blut in der Luft. Eine riesige Spinne krampfte schnürend das Getanz der Apfelbäume zusammen, sie zitterten unter entsetztem Schrecken. Regenbogen schnellten durch die Nacht. Mord saß dunkel im Geäst. Ich ängstete auf der Stirn. Der Mond war mild. Aber die Sterne bogen sich herum und blitzten kalt wie die Spitzen unzähliger hingehaltener Schwerter.

Und das Schweigen dehnte sich, als ob es zerreißen müsse, und die Stummheit, die volle maßlose Trunkenheit der Nacht kam in Bewegung, drehte einmal um und begann zu kreisen und ward ganz fern am Himmel ein dunkler Strudel, der sog und sog —

Ich schrie. Hell. Entsetzt und außer mir . . . Ich wollte nicht sterben.