Wir saßen alle auf Stühlen, die auf der Wiese standen. Der Fürst hatte einen Säbel in einer Hand, in der anderen Blüten.

Dann kamen die Mädchen, Jungfrauen im Alter bis gegen Zwanzig, die kein Mann berührt hatte und die nur wenige sahen, die sich, weibliche Narzisse, nur in der entrollten Geschmeidigkeit sälelang ins Uferlose gestellter Spiegel in ihren Körpern empfanden. Sie trugen kleine Tuniken, die wie nichts waren, und tanzten auf dieser schrägen Ebene uns gegenüber zwischen den Bäumen, tanzten mit Hüften, fließend wie die glatten Sprünge der Leoparden, Beinen . . . stumm vor Berauschtheit, und Armen, die sie im wilden Entsetzen der Schönheit in den Mond hinein schwangen.

Alle gingen dann zurück zum Schloß, ich stieg zum höchsten Hügel . . .“

Er hielt ein. Sein Blick tauchte verschleiert in die Tiefe des späten Mittags. Seine Worte fielen dann, als er wieder anhub, heftig, immer schärfer und in monotoner Geschwindigkeit. Sie fielen, als stünde einer im Licht in voller Rüstung und schlüge im riesigen Kreisschwung beider Arme zwei Schwerter pfeifend immer rascher durch die Luft.

Er sagte:

„Es war still geworden, fast tonlos. Manchmal allein in langen brausenden Linien stürzten schwere Hummeln auf die weiße Ebene der Bäume. Es war lau, weich, Wasserdampf schwebte in der Luft. Das ließ die Ferne vibrieren und die Sterne hatten davon etwas feuchten Schimmer. Hügel schob glatt über Hügel, Linie über Linie schwingend, in die Rheinebene. Bäume sprangen Abhänge hinauf, in der Nacht hin und her, und standen näher, tänzerisch zueinandergeneigt. Oben hing der Mond.

Diese Nacht war ungeheuerlich in ihrer Üppigkeit. In ihrer nassen Glut. In ihrem unheimlich gesteigerten stummen Gebrüll nach Dasein und trunkenster Fülle des Lebens.

Schwester: ich dachte da mit einemmal blitzhaft an die wüstesten und größten Dinge meines Lebens.

Ich wußte um Grate im bayrischen Gebirg, die ich spielerisch als Knabe überrannt hatte. Ich sah den schweren Wahnsinn der afrikanischen Hetzen. Sah den zerschlagenen beuligen Kopf im Dirnenhaus des Genuesischen Hafenviertels im Augenblick des Erwachens verzerrt in schmutzigen Kissen. Ich wußte um das aufschreiende Werben fetzender Granaten, die trunkene Explosion der Abendschlacht. Ich sah ein Segelboot kentern im Starnberger See, sah den großen Verzicht eines feinen Mädchenauges (o weinen, weinen), sah den verwesten Leichnam des Freundes aus der Konfirmation im Park erhängt, sah das Sterben Maria Anderssons, die ich geliebt habe, die Schöne und Tanzende, wie einen bunten Vogel. Ich wußte um den Augenblick, der bewegungslos in der Pupille des Persers hing, als er in einer Pariser Spielspelunke den Dolch mir über die Achsel in den Rücken schlug — —

Was wissen Sie, Schwester, was einem Mann schwer und Gefahr ist . . .