Der Goya da kam eines Morgens als Paket in graues Sackpapier eingeschlagen. Mag sein, daß ich mißmutig war. Riß es auf, und der Riß fuhr in ihn hinein, klaffend bis mitten in die Kampfszene. Genau zwischen Stier, der den Nacken zum Stoß einzieht, und Pferdebauch und gerade über den schnelleren Heft der Lanze.

Er kam von einem Brasilianer, mit dem ich eine Nacht fuhr von Kowno nach der Grenze. Es war Schneesturm. Er sagte mir mit Leidenschaft vieles von seiner Heimat: dem fürstlichen Meer des Amazonenstroms, den glühenden Nächten, die sie erträglicher machten durch das Genießen unzähliger Kannen sehr heißen Kaffees, und dem Gekreisch der Papageienherden.

Der Sturm brach sich an der Böschung, drückte mit blödsinnigen Stößen auf den langen Leib des Zuges. Wir wurden warm und zogen zusammen das Fenster herunter. Sofort zerbrach es. Die Scheibe spritzte uns ins Gesicht. Wir bluteten mit vielen kleinen Wunden. Der Wind knallte das andere Fenster hinaus, die Rahmen krachten. Schnee stopfte uns den Mund voll, wenn wir sprechen, rufen wollten, wir würgten, konnten nicht atmen. Pse! lachte der Brasilianer. Mehr hörte ich nicht.

Hagel klatschte uns gegen das Gesicht, das anschwoll, schmolz daran, und fror im gleichen Augenblick in einer Maske von Eis wieder vor. Wir sahen aus, als hätten wir Gesichter aus Glas oder von roter Gelatine. Denn wir bluteten sehr und lachten.

Es ist auf dem Bild des Stierkampfs nur die unterste Reihe der Zuschauer zu erkennen. Doch es scheint: eine Welle von Wut und Ekstase sei das Amphitheater in einer Kaskade hinuntergestürzt und habe sich in diesem Parkett bäumend gestaut.

Es ist eine schwere Lache Blut auf dem Bild.

Der Stich liegt auf einem alten gelben Papier, das vor Leidenschaft knistert, wenn die Sonne durch das kleine Fenster in einer Säule darauf steht.

Ich denke gern an diese Nacht.

Aber ich liebe noch mehr jenen Sommer, in dem alle Tage waren wie jene Nacht.“ (Er hob mit steifem Arm eine breite, weißgerahmte Radierung heraus, daß die Schnur sich straff ins Zimmer spannte, und blieb, sie auf der hohlen Hand wiegend — die andere in der Tasche — stehen.) — „Man kann nicht anders empfinden: Alles ist hier bezwungen von dem bleichen Weg. Sei es, daß er zwischen dunklen Hügeln in einer geheimnisvollen Biegung läuft, . . . ob dämmrige, schwere Fischerhäuser nebenan der Düne liegen mit verglasten Luken und dann der Spuk der Telegraphenstangen ihn begleitet bis zu dem Kreuz auf dem Hügel . . . mag sein, daß das alles die geballte Atmosphäre gibt von Trauer, Unheil und ganz schwachem süßem Licht am Horizont . . . ganz groß und so, daß er all dies missen könnte, ist nur der lange weiße Gang des Wegs, der sich langsam mit unheimlichem Wollen, steigend, verblassend, in den grauen Himmel über den Dünen wie in ungeheure, frevelhafte Übersinnlichkeiten hinausschraubt.

Es ist ein Sujet aus Bornholm von dem jungen Radierer Georgi. Ich traf ihn auf einem Petroleumsegler von Kopenhagen nach den Faeroers. Wir waren die einzigen Passagiere. Und die einzigen Fremden (wenn wir einen kleinen Botaniker, der nach drei Tagen von einem unmöglichen Hügel abstürzte, nicht rechnen) auf den Faeroers von Anfang Juli bis in den Oktober hinein, der schon Eis brachte von Island her.