Acht Tage fingen sie Fische. Lagen halbnackt auf den Balkonen. Schlachteten Ziegen, Schweine, Stiere. Tranken in einer Mondnacht eine Bowle, steckten eine Hütte an, fuhren mit Lampionruderern aufs Wasser, warfen um. Lungerten die Weiber um die Pavillons, schrien nachts, quietschten, machten Vaudreuil sein Schlafzimmer wechseln, kein Wort sagen. Spielten Dudelsack morgens, abends, boxten, schrien alle durcheinander, hieben aufeinander ein, entknäulten sich, zogen blitzschnell in Zweireihen singend ins Wasser. Spritzten, badeten, rauchten.

Mittags ritt Daisy mit Alf und Browns Neffen über einer Fuchsspur, folgten sie über einen Acker, trieben um einen Wald, durch einen Bach. Als der Mann ihn im Schuß hatte, wich er, als bocke der Gaul, zur Seite. Daisy kam ins Schußfeld, rümpfte die Nase über die Achsel, schoß nicht.

Alf wagte nicht zu schießen. Ritten stumm nach Haus. Ostwind hatte sich an den Pappeln hochgewirbelt, war über den Wald aufgebrochen, losgesaust, wellig, weiß, fließend

ohne Pause stürzte er herunter. Sie fuhren ihm in Jollen schnäbelnd mit der Pinne entgegen, flogen wie Weberschiffe herauf, herab. Er faßte herüber nach ihrer Hand, da ließ sie den Fock los, der Großbaum knallte ihm über den Kopf, er wandte, warf sich herum. Faßte wieder ihre Hand, ihren Namen, ihren Namen vernahm sie, spürte sie, es wickelte sie ein, das Segel flatterte um sie wie Vögel. Sie hielt sich fest. Sie hörte immer ihren Namen flüstern, bis das Segel gegen den Wind stillstand, er am Anlegeplatz stand, ihr die Hand hinhielt. Sie nahm sie nicht. Sah durch seine ametystblauen Augen. Er hatte Syg übersehen, als sie farbig war. Der Tochter Vaudreuils nun, adoptierter, geschätzter, machte er Reverenz, Verbeugung. Er war feig. Sie wandte sich um, drängte dem entgegen, was seine Augen an ihre band, ihre zu seinen hintrieb. Fühlte seine Hand rückwärts an der Schulter, seinen Atem, die Lippen. Die Augen standen im Dreieck. Ein grauer Schein stieß ihn zurück, verlegen, stotternd, rot. Armselig und zornig stampfte er auf. Sie ging schon hochmütig, entfernt. Langsam wich der Raum zwischen ihm, zwischen ihr. Die Ecke bog am Bootshaus. Sie eilte, sprang hinter den Büschen, eilte auf der Treppe. Sagte das Essen ab, krümmte die Schultern verzogen zusammen, wimmerte im Sofa. Gab es eine Pause, kam das Bild zurück. Sie verzog das Kinn, den Mund wie unter sauren Kirschen, Galläpfeln, die Haut schüttelte

sich. Zog die Bluse herunter, das Mieder ab, streifte das Hemd über den Rock, wusch Wasser über die Brust und den Nacken. Zog sich aus. Sah zum Fenster hinaus, legte die Hände mit den Flächen fest ins Gesicht. Sah den bronzenen, gebogenen Körper aus dem Spiegel entgegenkommen. Da nahm sie die Kette ab mit den Kugeln, raffte sie zusammen, schob sie in die Schublade. Schloß ab.

Vom Hügel trieb der Fluß weit und schräg hinunter. Die weiße Fahne Torontos leckte darauf, Segel schossen in die Tiefe hinab. Der Mond schlug noch über die Felder. Die weißen Räder standen still im Himmel. Nach zwei Stunden ließ sie Alf halten, ritt in ein Waldstück, kniete, wusch die Brust, den Nacken in einem Quell. Sie horchte. Er flüsterte weiter, silberte, verschwand im Laub. Blumenprärien kamen, ein Orchideenpark. Der Horizont war manchmal gelb, fast seifig, eine Sonne wuchs daran sich hoch, sanften Rots, später nahm der Wind ihren Glanz an, stimmte sich wie ein weichkupfernes Abendinstrument, Oboe und Flöte. Mittags wurde er kalt. An dem Bahnhof verluden sie die Tiere. Zwei Tage darauf kamen sie an die erste Lager-Station. Ein Pavillon war reserviert, es gab viel Jagd. Alf packte aus, Teppiche, Säcke, Gepäck. Am Morgen

mußte er einpacken, sie ritten den Tag, kamen in ein Dorf, übernachteten, kamen an die zweite Station. Alf ging ein paarmal im Viereck um den Raum herum, schwang die Arme, sah unter sich. Sie ließ nicht auspacken. Als er lange genug gewartet, ging er hinaus, stieg in seinen Schlafsack, mummelte sich, fluchte, kämmte am Morgen den Bart nicht. Vor dem Stall knöpfte er sich verdammend seine langen Gamaschen. Ritt den Morgen hinter ihr her, blieb immer hinten, kam nie an die Seite ihres Gauls. Sie hob die Hand, äugte nach einem Reh. Fluchs hielt er seinen an, starrte ebenso. Sie hörte ihn in den Bart reden. Sie rief ihn heran. Kurz blieb er auf gleicher Höhe, dann sockelte er zurück, fiel ab, blieb hinten. Mittags trafen sie einen Jäger. Er gab ihnen Brot, zeichnete mit dem Daumen, da ihm der Zeigefinger fehlte, einen Halbkreis in die Luft. Sie näherten sich den Ringen.

Angezogen in ausgebuchteten riesenschweren Halbkreisen spannten sich die Faktoreien, gleich Wellen anschäumend, gegen das innere Gebiet. Sie lagen voreinander, Herden gleich, sprangen vor, bestürmten sich, wurden wilder, angerissener, warfen mit dem letzten Halbring sich vor die starre Endlosigkeit, nieteten sich gegen Eis, Horizont, blaue Klippen. Sie kamen gegen den ersten. Sie mußten langsamer reiten, Alf kam nicht nach. Sein Schimmel ging, als lahme er. Sie hörte, er glitt aus Fluchen ins Gejammer: au . . you . . . wai! Spuckte

und flennte. Sie ritt zurück, stellte ihn gegen ihr Gesicht. „Ich werde entlassen.“

„Troll dich.“