Des Vaters Hand faßte die ihre. Die Treppe. Sein Mund im Kuß. Er hielt sie stürmisch mit steifen
Armen weg, sie ganz zu beschauen, spürte aus allen Poren ihres Leibes ihre Richtung, das Hingewandtsein ihrer Seele. Er erbleichte, senkte den Kopf. Glitt über ihren Leib mit dem Auge, die Brust, den Hals, das zärtliche und hochmütige Kinn. In ihrem Auge saß, schlagend und aufgedonnert das Meer. Das Aufgesparte und Vorbereitete in seinem nach innen gekehrten Leben verstand den Ausbruch. Lächelte. Gab ihr den Arm. Sie gingen hinein.
Das Lächeln hatte gewährt, Unausgesprochenem sich geneigt, bejaht. Es erlosch. Nichts gab Erinnerung daran. Es fiel in seine Augen wie in einen Schlund. Die Woche rollte zurück, wie gewohnt. Vaudreuil hütete sein Gesicht. Schenkte ihr ein neues Pferd, bestellte ein Reitkleid aus Leder. Griff vor, erwähnte Zukünftiges, das sich band an Ort und Zusammensein. Berief einen Unterrichter für ungewohnte Kreise, baute ihr Zimmer an, Tapeten kamen weiß geädert mit Gold. Besprach eine Überraschung für Sygs Geburtstag in vier Monaten. Malte den Stand der Rosenbosketts aus auf Papier, eine Pergola im Bogen vor den Terrassen, Fontänen, Vögel, glitzernde Fische, sprach vom folgenden Sommer, dem Herumgehen, dem Abend. Breitete die Zeit aus vor ihr, vor sich, uferlos, vorübergleitend
über den augenblicklichen Zustand. Ohne Pause, ohne Intervall. Sah sie wenig, zwischen Mußestunden, bei der Mahlzeit, ging ohne Zögern von ihr. Ihre Erwartung allein spürte, wie tödlich er an den Sekunden hing. Sonntag bestellte er die Yacht nach dem Ontario. Sie bereiteten sich vor.
Montag früh berief er sie in das Büro, brach alles ab. Durch die Maske des gleichgültig gehaltenen Gesichts stieg von unten tief das Lächeln herauf. Gab Daisy von sich. Entfernte sie aus eigenem Entschluß. Löste sacht die Ventile von ihr, gab dem nach, was herausbrach, trieb Mauer und Wand zurück und bog sie hinter das draußen Strömende und Lockende zu einer tiefen Wölbung, in die er schmiegte, was aus ihr drang. Diktierte nicht. Folgte nur. Aber die Führung der Hand hatte die wissende Lindheit, die, nachgebend, bestimmt. So, als sei sein Plan, sein Wille, was er nur abbog, behütete. Widerlegte Widersprüche, die sie nicht erhob. Bewies Notwendiges, das sie nicht bezweifelte. Baute eine Verbindung, die nichts mehr löste zwischen ihm und ihr, indem er verstand und folgte, und das Kindliche, als es abtrieb, selber abhieb und damit unverlierbar sich gewann.
Als der Tisch beim Speisen ihr zur schrägen Scheibe ward, durch den Raum rotierte, Fidleys Pensionen, Schecks, Tips sie umflackerten, das Silber flimmernd wellte, wogte, Sygs Auge schmerzlich, neidlos, neugierig
aufging, blieb ihr die Stimme Vaudreuils. Ruhig, gelassen wie im Nebel. Einen Augenblick ertrug sie nicht mehr den trostlosen Schmerz aus der Gefaßtheit des Tons, sie stand auf, wollte sagen, sie bleibe, nickte, schwieg, ging hinaus.
Sie lief um das Zimmer, betastete die Wand, den Kopf des Betts, die Girlande des Balkons. Der Garten. Wasserdunst lag, hob und senkte sich, ausgeatmet ihr entgegen von der Prärie. Hindurch, das Auto blinkte vor der Halle, stieß sich heraus, die gesiebte, durchlöcherte Brust fauchend, zermalmend die Luft. Sie beugte sich über den Fluß. Murmeln koste ihr entgegen, entzog sich ihr, floß tiefer, entfernter, uneinholbar. Drüben schleuderten am Rand des Vorstellbaren Schiffe, Städte, Bahnen sich vor ihr hin, rissen sie nach. Das Tiefe, Bleibende der Erde zog sie herunter, zu sich. Es ging nicht. Aber es riß zu Schmerz mit einer Stille, die verzehrte.
Sie legte sich auf den Bauch, senkte den Kopf zum Wasser. Über ihrem Nacken stand schwingend, kreiselnd in der Luft, aufziehend, Glück, Ahnung, in die sie hineinschwamm, sich hineinbegab, voll, ganz. Unter ihrem Gesicht brachen Tränen. Zwischen beidem lag sie, faßte die Binsen in die Hand. Sie wuchsen an ihrer Haut. Sie fühlte, erschüttert, wie sie sich vertauschte der Landschaft. Ihr Leib wuchs fest mit Geruch und Duft der Erde. Sie faßte das
Gras, riß daran, es hielt. Sie tauchte die Arme ins Wasser, es war eins. Legte das Gesicht mit der Wange gegen den Weidenstrauch, den schlanken Baum, da blieb nichts übrig, was trennte, alles floß, verband sich, gehörte zueinander. Was trennte, riß entzwei.