Das Schiff wendete. Die Segel klatschten, standen dick voll Wind. Matrosen liefen mit Haken und Büchsen nach Backbord. Da stand am Horizont ein Schiff in der Form saletanischer Piraten, das braune Segelzeug schoß scharf drachenhoch vor dem Gelb. Der Kapitän schrie. Aus den Verstauräumen kamen Kanonen angeschleppt, die sonst das Gleichgewicht des Schiffs gegen den Wind stärkten. Da brauste es aus dem Sprachrohr des Drachenschiffs: „Vila“.
Da begannen die Matrosen zu grinsen, einer sang. Sie zogen die Hemden aus und winkten in ihren bronzenen Brüsten hell zwischen den Leinen und dem blühenden Himmel. Denn das Schiff war gascognisch. Vaudreuil blies die Backen auf und ging hin und her den Abend.
Zwischen zwei Felsen fuhren sie in den St. Lorenz. Die Wände standen wie Pyramiden. Schwärme langgehalster Vögel hoben sich, zogen endlose Spiralen immer höher und schrieen. Morgens booteten sie aus nach Quibek. Vaudreuil ging sofort zum Fort. Die
Straße war kotig. Mit schmutzigen Schuhen und Strümpfen kam er, nach Tang riechend, an die Palisaden und nannte seinen Namen.
Abends erschien der Kommandant zum Bankett. Er hatte den ganzen Mittag die Finger seiner Hände hin und zurück gezählt, um nicht sofort hinzulaufen. Jedoch der Drang seiner Würde war größer als seine Neugier. Auf Vaudreuils anderer Seite saß der Bischof in violettblauer Sutane. Ihre Fragen umzingelten ihn, faßten ihn von immer neuen Seiten. Sie schlürften jedes Wort. Der Geruch Europas war noch an ihm. Sie hielten sich gerade, aßen mit Bewegungen, die ihren Namen entsprachen, wenn auch ihre Stoffe derb waren, ihre Schuhe aus Rindsleder, das roch. Er gab, was er wußte, vom Hof, den Städten, den Frauen, teilnahmslos, halb Gelöschtes aus seinem Gedächtnis. Der Bischof riß einen Fisch mit beiden Händen am Schwanz auseinander und frug: „Was planen Sie hier?“ Aber Vaudreuil zuckte die Schultern. Sie wurden verlegen. Der Kommandant trank rasch. Der Bischof leckte an seinen fetten Fingern. Sie schwiegen eine Zeitlang.
Beim Dessert verloren sie ihre Haltung. Vaudreuil kam beim Pharao in Verlust. Als sie zwei Rollen Louis gewonnen hatten, wurden sie höflicher vor seinen Mitteln. Um vier begannen sie, gebranntes Wasser zu saufen. Boys brachten Kübel. Um fünf saßen sie hinter den Karten. Vaudreuil hielt Bank, gewann
zurück. Ein Fähnrich kam in Verlust, man verweigerte seine Bons. Er hockte sich in die Ecke, schrie: Germaine . . . sah nur Waden, beschrieb sie mit dem Finger, leckte das Maul. Ein Offizier fiel um wie vom Schlag gerührt. Der Kommandant zuckte die Achseln: „Er liebt, seinen Gewinst festzuhalten.“ Seine Hand schrieb eine Anweisung, die er rotglühenden Auges Vaudreuil hinüberreichte. Sie machten eine Pause, aßen kleine scharfe Fische.
Der Bischof hob den Arm. Schwenkte den andern auf, hob sie und senkte sie heftig, bis der Apparat rauschte, seine blecherne Stimme anfing zu singen. „Fettes Schwein“, sagte der Kommandant und schlug im Takt die Fäuste auf den Tisch. Ein Hauptmann taufte einen Eingeborenen. Das Zimmer dick vor Rauch.
Sie kehrten zurück zu den Karten. Die Sonne stand draußen. Der Bischof setzte die Sutane. Verlor. Der zweite Fähnrich begann ihn sofort zu entkleiden, wollte ihn als Adam durch den Morgen führen. Der Bischof quietschte mit Faseltönen, flatterte mit den Händen, umwirbelt von Dampf. Er stank aus jeder Pore. Dann weinte er und psalmodierte eine Beichte. Der Kommandant bog sich von seinem Stuhl, fiel krachend zurück in die Lehne, beugte sich wieder, krampfte die Arme über den Bauch und bekam das Maul nicht zu vor Geheul. Vaudreuil ging hinaus.
An der Palisade erreichten ihn Schreie. Die Fähnriche brachten die Sutane geschleift. Am Fenster hing der Mondbauch des nackten Bischofs. Eine Hand hob sich über ihm, klatschte auf feine fette Schulter. Des Bischofs Arme zeterten herunter, er wand sich. Seine Schinken hingen zum Fenster heraus. „Also doch . . .“ Vaudreuil bot Ohrfeigen mit, der flachen Hand. Sie zogen. „Germaine“, brüllte der eine und fuchtelte in der Luft. Vaudreuil schonte ihn, wandt sich zum anderen, der stieß ihm, schmalnasig und hager, im selben Augenblick leicht in die Achsel, warf seinen Degen weg, salutierte mit der Hand. „Es hätte auch die Kehle sein können.“ Vaudreuil packte die Sutane mit den Fingerspitzen, trug sie hinaus. In der Mitte des Zimmers lag ein Haufen Fett, das den Himmel vertrat, vor dessen Umarmung jede trübe Zofe flöhe. Er legte den blauen Rock auf den Haufen.