Der Marquis stand aufgerichtet im Boot, das schwankte unter krachenden Wellen. Aber der Diener ballte die Faust, wies auf das Meer, das sich dunkel donnernd zusammenballte! „Bin ich ein Hund, daß Sie mich mitreißen auch da hinaus . . . zwölf Jahre habe ich Bügel gehalten, vor Frauenhäusern gelauert . . .“, er röchelte und verzerrte sein Gesicht vor Haß.

Da stieg dem Marquis das Grauenvolle des Abschieds

bitter in die Kehle wie kein Schmerz. Einen Augenblick hob er wie bittend die Hand. Als er von diesem letzten schlechten Stück sich riß, versagte sein Herz, daß er es demütigte. Er bat eine Sekunde. Dann warf der Wind ihm die Haare über das Gesicht.

„Bleiben Sie ruhig,“ sagte er, „behalten Sie die Pferde. Gehen Sie zurück nach Versailles.“ Er schrie, denn die Flut machte die Luft voll unruhigem Geräusch. Das Boot schoß los, sauste eine grüne Welle hinunter. Der Marquis nickte vom Rücken der nächsten dem Diener zu.

Der Segler rollte auf hohen Wellen. Der Marquis sah zurück. Auf dem erhöhten Hügel der Mole lag Baptiste, das Gesicht stumm gegen den Herrn gerichtet, der ihn verließ. Nebel kamen, verwirrten. Lösten sich und immer brach sein Bild, auf den Knieen, die Arme verkreuzt, durch den Wasserstaub.

„Wie feig er ist“, sagte der Marquis, „und doch wie groß seine Sehnsucht.“ Da begann Baptiste zu schreien, als die Barke an den Segler rollte, die Arme in die Luft zu stoßen, sein Haß und das Schmierige stritten mit dem guten Gefühl. Vaudreuil litt mit dem Niederen. Aber er empfand seine Stärke mehr zu leiden mit schmerzlichster Beschwingung. Die Tiefe der Erschütterung gab ihm ungeahnte Kraft.

Taue klatschten aufs Wasser. Dreimal schoß eine breite Woge zwischen die Fregatte und sie, teilte sie.

Dann faßte Vaudreuil die Schlinge. Wie ein Affe erkletterte er das Verdeck. Matrosenhände erfaßten seine nasse Taille, schoben ihn herein. Das Schiff hatte sich weiß beflaggt, bog sich und rauschte. Er sah die Küste nicht mehr. Möven lagen auf den Wellenspitzen. Dann kamen Tage, wo die Sonne nur da war, der Himmel sich seidig zusammenzog. Er sog den Geruch des Meeres ein, schaute auf das Spielen von Welle mit Welle, der letzte Strich des Horizontes gab seinem Gefühl die ruhig sich schaukelnde Sicherheit der Ruhe und des Glückes.

Am fünften Tag wurden die Segel gerefft, ein Sturm legte die Fregatte auf die andere Seite, stieß ein Leck in den Speicher. Seekrank lag Vaudreuil auf einem Haufen Taue in seiner Kabine. Sein Magen spie über Bett und Tisch. Sein Geist litt unter der Beschmutzung seiner Kleider. Sein kraftloser Körper, den nur einmal in Barbizon nach einer ausschweifenden Woche mit Lilotte, der Tänzerin des Dauphin, ein Purgier mit Schweiß befreite, litt unter der Ohnmacht und stemmte sich mit Wut dagegen. Aber die Dauer des Zustandes führte ihn in die Überwindung. Ohne Zorn fand er sich darein, daß seine Kabine stank wie ein Stall, daß er tagelang kotzte. Als er geduldig ward, befreiten ihn helle Tage. Die Angel lag auf dem spiegeligen Wasser. Matrosen saßen in den Takelungen. Mit weiß knatternden Spitzen schlug das Meer

gegen den blau aufbrechenden Horizont. Er fing Germanen, köpfte sie, warf die Körper den Kabeljaus zum Fressen hinunter, briet die Köpfe. Nie aß er früher so weißes Fleisch. Erfinderisch geworden in der Ruhe, erfand er neue Speisen. Er röstete Flossen, briet Herzen. Der Tag ward ihm phantastisch, spielend überwand er die Melancholie der Abende.