Er machte zwei große Schritte, reckte sich steif, hoch, das Gesicht in Ruhe, ging überlegen und sicher . . . .

wankte und zog den Mantel über den Kopf und weinte. „Nicht weinen Vaudreuil,“ rief er sein Herz an, stieß den Degen fluchend auf den Boden, biß in den Mantel, zerrte an dem Tuch, „was weinst du, Affe . . .“ Allein er konnte seinen Schmerz nicht kränken und schluchzte, als er, den Seitenflügel umschreitend, den großen Empfangshof betrat, der unter seinen Schritten leise aufscholl. Er blieb da stehen. Kein Garten stand mehr vor ihm. Das große Gebäude verdeckte ihm den Mond. Er hatte noch nie Abschied genommen.

In der Kehle ein Zittern riß ihm den Schmerz bis zu den Zehen. Dies flimmernde Weiß an den Rändern des Schlosses, die Pflastersteine, die der Mond blau schlug . . . er wollte sich daran halten, sein Herz klammerte sich an das Licht, an die Luft. Sie hielt nicht.

Lautlos, taumelnd ging er zum Tor. In weißen Samthosen, die Brust frei unter dem zerrauften Hemd. Die Wache trat vor, grüßte und grinste. Ein Soldat sprang in seinen Schatten und bog den Bauch in Verrenkungen hin und her. Sie hielten ihn für betrunken.

In der Dämmerung rannten die Pferde nach der Küste. Das zweite trug den Diener, das dritte Gepäck, Geldrollen, Hemden, Waffen.

Die Stirnen der Gäule wandten sich im Kreis, zuerst gegen Havre zur Täuschung, dann ganz herum gedreht

nach Dieppe. Paris fiel zurück unberührt. Dann warfen sie die Gäule nach Westen, schoben eine südliche große Linie nach Rochelle. Als sie bogen, flammte die Sonne über Versailles. Tief im Süden sahen sie, rastend in einem Dorf, fern das Sommerschloß des Marquis. Er ritt davon weg. Dann von eigenwilligen Dämonen getrieben, ging die Fahrt im Zickzack. Eine Erhebung hinauf, schräg herunter . . . nach einer schweren Stunde waren sie wieder auf dem Hügel von der anderen Richtung her. Baptiste sagte kein Wort und folgte. Gegen Mittag fluchte der Marquis, sie jagten um einen See. Durch Schilf, über Wiesen mit Rehböcken, die spielten, ging es stundenlang. Baptiste zog die Riemen der Ledertaschen auf und zu. Am Mittag brachen sie aus Weidenunterholz und waren wieder an dem See. Der Marquis ließ die Gäule saufen, ritt rechts in ein Tal, sprang plötzlich wild über einen Gießbach und jagte zurück, an dem See vorbei in die Landschaft der Küste. Gegen Abend lahmte das Pferd. Baptiste stieg ab, massierte das Bein. Der Marquis stieg auf. Er ritt zweimal im Kreis, dann jagte er in den eigenen Spuren zurück. Gegen Abend kamen sie an den Hügel, später durch das Dorf. Die Sonne ging unter. Links lag das Sommerschloß. Sie ritten direkt darauf zu. Sanft stiegen über die Mauern die hellen Bogen der Springbrunnen. Aus der einstöckigen Front schimmerten die

vielen bis zum Boden gesenkten Fenster. Die Kieswege, angelegt für die Zärtlichkeit von Frauenschenkeln, lagen träumerisch im Schein des südlichen Abends. Der Marquis ließ Baptiste vorreiten. Er ritt in den Bügeln stehend, die Mauer war hoch. Sie hielten nicht an, sprengten am Ende die Mauer wieder zurück, dann hatte der Marquis ein Messer verloren. Sie fanden es nicht. Sie ritten hinunter, dann in die Nacht, die anfing. Die Pferde liefen wie die Teufel.

Das Meer kam, vom Wind geschlagen. Nebel klatschten graue Wellen über die Küste. Der Segler lag weit draußen und löste die Anker. Matrosen warfen die Mantelsäcke in die Barke, griffen zu den Rudern. Vaudreuil sprang hinein. Der Steuermann stieß das eine Bein gegen den Pflock, sah auf. Oben stand Baptiste. Der Marquis erbleichte. Der Diener stand schlaff. Dann trat er einen Schritt zurück.

„Zwölf Jahre waren Sie bei mir . . . hielt ich Sie nicht wie einen Pagen . . .?“