mir hawwe uns so gern
un leck’st de misch bei Nacht am Arsch
da scheine der die Schdern.
Sie ging auf den Zehen an das Bett des Geistlichen. Sein Auge sah starr, gebrochen vor Melancholie in die Ecke. Er spürte nichts wie die Vernichtung. Hier Ende seines Lebens. Aufgezogen von einer schönen Frau, seiner Mutter, hier nun verfaulen. Unmöglich zu fassen, das konnte nicht sein, seine guten Glieder . . . dieser Mund, der schöne und tapfere Dinge sagte . . . wenn Gott war, so war dies unbegreiflich . . . ein schwaches Lächeln — er glaubte es nicht — . . . als die Lippen anschwollen, starrte er vor sich hin. Fassungslos dies große Ungeheure vor sich, sein Geist zu enge Öffnung, als daß so Maßloses sich in ihn schon so rasch ergösse. Zu klein sein Hirn für solchen ungeahnten Gott. Acht Tage lag er steif. Dann fraß ihn das Neue, indem es ihn an sich gewöhnte. Da gab er sich Wochen der Wut und der Anklage. Der Ausschnitt seines Zimmers, das Stück kümmerliche Landschaft ward ihm die Welt. Der Mond, entsetzlich aufsteigend . . . er würde ihn nie mehr sehen von anderem
Ort, die Blumengerüche, der Dampf der regenbeschwerten Erde . . . ein Bauernmädchen, das vorbeiging . . . nichts zu halten, in die Ferne gerückt, nie zu berühren und zu haben . . . welches Schicksal. An das Fenster treten, dies alles inbrünstig sehen, nie haben werden, mit aller Wildheit begehren, kein Gott, der es ihm in die Hände geben würde . . . warum diese Grausamkeit . . . warum ihm . . . — — Jahre stiegen auf in dem Fensterbogen, entfalteten sich, zeigten jede Sekunde mit einer Eindringlichkeit, die die Augen schmerzte . . . Spiele der Jugend . . . eine schmale Frau trat an sein Bett, ein Garten abends . . . er hielt es nicht mehr . . . schrie. Daisy kam, stellte Wasser neben ihn, rückte einen Stuhl zurecht, legte Bücher darauf — und ging. Er folgte ihr mit dem Blick, bog ihn zu dem Fenster. Da stand seine Jugend. Wie war es zu tragen . . . Nun litt er mit geschlossenem Gesicht. Als der Pendel durchschwang, der Kern des Leides durchlitten war, löste es sich in schmerzliche Seligkeit, er begann beim Abebben des Zorns eines Nachts zu weinen. Hell wie ein Kind. Das ganze Haus hörte ihn. Nach Wochen sagte er zu Daisy: „Wenn ich begreife, daß ein Körper wie meiner verfault — — wie soll ich fassen, daß Sie in einer Arbeit wie dieser leben können.“ Da sah er ihren Blick zum erstenmal, der mehr Abgeschlossenes hatte mit den Dingen wie der seine, fuhr hoch. „Was wundert Sie?“ fragte Daisy.
Da begann sein Blick an ihrem sich zu erstaunen und zu kräftigen. Ihm schien Sterben nicht mehr schwer von dieser Sekunde. Sein Auge folgte dieser Schwester, wo es sie sah.
Der Arzt nahm sie mit in sein Kabinett: „Sie werden mir operieren helfen. Sie sind ohne Laune, ruhig.“ Die große Schwester haßte sie von diesem Tag. Sie hetzte einen Saal auf. Nachts auf dem Korridor umarmte sie einer von hinten, fiel unter ihrer Parade schreiend zurück. Licht fiel auf sein Gesicht: „Ich sage es diesmal nicht dem Arzt.“ Er verkroch sich. Auf diesen Mann konnte sie sich verlassen von nun ab, unbedingt.
Sie hatte das Zimmer über dem Operationsraum, eine Glaswand trennte diesen in Manneshöhe von ihr. Sie sah nachts einen Schatten, der die Instrumente beschmutzte und zerwühlte. Sie stand früh auf und ordnete es wie neu.
Es kam eine alte Frau, saß an dem Bett des Fiebernden: „Ist das mein Sohn?“
„Ihr Sohn.“