„So . . .“, sagte er und zog den Mund herunter. Der Zigeuner sah zur Seite.

„Scheißen“, rief er. Sie ließ das Wasser aus, zog den Gummiring unter ihm weg, schob den Stechnapf hinein. Es war eine Lüge. Sie gab ihm neues Wasser.

Er ließ den Arzt holen. Sie petze ihn . . . „Du Schwein“, sagte der Arzt und schlug ihn aufs Ohr. Zwei Tage darauf vertraute er der großen Schwester an, indem er weinte und sie zu Fragen zwang, er sei traurig, Daisy speise ihm sein Essen. Sie meldete es, der Pflicht folgend, dem Arzt. „Wie können Sie . . .?“

Sie sagte gegen sein Brausen: „Das Statut.“ Der Arzt untersuchte und gab dem Zigeuner wegen Verleumdung einen Tag Hunger. An diesem Tag speiste ihn Daisy mit ihrem Essen. Bei der Morgenvisite zeigte er es an. Seine Stimme lauerte auf den Verweis. Der Arzt tat ihm nicht den Gefallen, sondern bestrafte die Bosheit mit zwei Tage Hunger. „Es wird durchgeführt.“ Ein Blick in die Runde. Die Tür fiel zu.

Daisy folgte, setzte sich für ihn ein: „Warum?“ Zwei Brillengläser funkelten sie an. Sie lehnte an den Tisch: „Er wird sein Leben im Wasser liegen. Sein Haß gegen alles andere ist natürlich. Aber — Strafe wird ihn nie bessern.“ „Nein,“ sagte der Arzt „das ist nicht meine Sache . . . aber die Autorität wird gewahrt.“ In diesen zwei Tagen ließ Daisy von Naga sich vertreten, tauschte mit ihr die Station. Sie wohnte in Nagas Zimmer. Ein Gartenbusch lehnte herein. Die Blumenterrasse dahinter schwoll herein, der Rasen roch. Morgens die Luft blau und gold, Vögel darin, die unsichtbar sangen. Im Garten Naga, in den Hüften gebeugt. Eine Eidechse lief über den Kies, grün, glatt, rollte sich über einen heißen Stein, hob die Augen, züngelte herauf, lief weiter. Naga bückte sich, huschte rasch, geschmeidig die Hand darauf, hob die Faust, aus der oben der toderschreckte Tierkopf, unten steif der Schwanz heraussah, federte den schlanken

Körper herum . . . ein Gesicht fassungslos aufgegangen in der Freude. „Bleib“, sagte Daisy, ging hinauf auf ihre Station, besorgte das Nötige auf der Nagas, die hinter einem Busch saß, Wolken ansah, die aus dem Meer stiegen.

Zwei Männer kamen durch den Garten. Sie wiesen ihre Papiere. Sie kamen von einem spanischen Segler. „Scharbockabteilung. In vier Wochen kommt Ihr wieder raus.“ Naga führte sie hinauf. Sie wurden ausgekleidet, gebadet, geräuchert, frisch gekleidet. Naga überwachte es. In der Nacht wiegte ein Gemurmel, lange halb undeutlich, als striche Wind mit Bäumen. Dann schwoll die Bewegung, die Wände des Gebäudes gaben sie weiter, echoten leis, knaxten. Stimmen schwebten hindurch, mischten sich. Plötzlich sang einer heiser und laut.

Naga ging dem Geräusch nach, blitzte mit der Laterne auf leere Betten, kam durch Tür und Türen näher. Sie stand vor dem Operationssaal. Den Schlüssel vergessen abzuziehen . . . sie erbleichte. „Coño“, rief der eine Spanier und warf seinen Mantel auf den Tisch. Links lagen Flaschen auf dem Boden. Eingeschmuggelt . . . zu wenig Achtung auf ihre Mäntel . . . der Garten. Sie ging hinein, rasch, fest. Die Fenster waren geöffnet, die Bettücher hingen als Flaggen hinaus. Patienten der Lepra mit Flaschen am Mund, taumelnd, in der Hand . . . die Spanier tanzend und krähend

eine Orgie . . . Naga stand stumm eine Sekunde, verzog den Mund zum Weinen und ging starr auf den Spanier zu, riß an der Flasche, da ging der Schwarze in das Knie, zupfte mit kurzen Rucken an ihrem Rock, er fiel nieder, er preßte den Kopf an ihre Knie. Entsetzt fühlte sie den Druck, schon nach der Tür . . . Geheul . . . versperrt der Ausgang. Sie sah die Leine, hing sich daran, schellte Alarm, riß die Schnur ab . . . die Patienten machten Jagd, stöhnten ihr nach . . . um den Operationstisch. — — Da schnitt eine Stimme herein. Das Licht wurde dreifach, ein Reflektor glühte aus der offenen Tür. Weit geöffnet schrie der Mund des hereinkommenden Arztes. Sie wurde ohnmächtig. Schwestern, Gehilfen drangen herein. Der Spanier ward gefesselt, ein Lepröser in die Zwangsjacke gesteckt, er schäumte. „Still hinüber“; zwei kurze Befehle: „Me caco de la puñedra y jodida alma de la grandissima puda madre qué te caco . . .“ Ein steiler Arm hob sich kurz vor Daisy, die ihn unter dem Tisch entdeckte. Hinaus . . . Einen Augenblick stand ein Kreis noch erregt plaudernd um den Arzt, der sich in Sublimat wusch. Dann gingen Türen. Als alles still war, öffnete sich leis Daisys Tür. Naga kam, schmiegte sich auf dem Bett an sie: „Ich kann nicht mehr . . .“

Es war dunkel: „Wie lange hast du Kontrakt?“