Lang vorbereitet erschien die abenteuerliche Nacht, wo alles weiß glühte mit ungeheuerer Innigkeit.
Große Schwärme von Raben schwangen in langen Kreisen um die halbe Scheibe des schon ausgedunkelten Himmels, aber die andere Hälfte war von Lichtern irr überschüttet, und die geisterhaften Züge wilder Enten schwammen durch das Geflacker sanft im Strom dahin.
In dieser Nacht tanzten die rötlichen Mäuse in stillen Wirbeln durch mein großes helles Zimmer, und durch die zerbrochenen Fenster legte sich die buschreiche Landschaft in einer Welle vor mich hin, und da wuchs meine Sehnsucht und ich lag stundenlang im Fieber.
Und als ich glühte und wirr vor Leidenschaft die Landschaft begehrte und den Mond, da schrie die Elster in der Hofplatane entsetzlich, und die schmale hündinhafte Hüfte der Holopainen rührte an mein Blut.
Aber ich kannte sie kaum mehr und flüsterte „Angelique“ und mein zur Seite fallender Blick traf den ihren. Und die Gegend wurde undurchsichtiger hinter ihr und ihr rötliches Haar ward blaß in Blondheit und die Augen schwammen ihr weißer.
„Was willst du?“ rief ich und fluchte auf die Elster.
„Die Abende von Passy“, sagte sie, und Zucken lief um ihren slavischen Mund. Aber sofort kam die Lippe in springendes Reden und wölbte sich kühl: „Einmal beim Erwachen war deine Hand, die mich hielt, so groß, daß ich umsank vor Liebe. Das war, als du im Pharuskegel der Autolaternen Jainikoff in den Mund hiebst und mein finnischer Imatra erbrauste. Es füllt meine Tage. Es füllt meine Nächte.“
Ihr Mund wurde bitter.
„Ich muß mein Herz noch härter machen“, sagte ich und hatte kein Mitleid.
Da losch ein silberner Strahl über ihr Gesicht und ihre Hüften glitten fast unbewegt aber erregend, und sie wies auf ihre herrlichen Beine: „Auch sie gelten dir nicht mehr, mit denen ich durch die schreienden Cabarets des Montmartre vor dir tanzte, die du küßtest vergehend, nachdem sie auf den Bütten aller Cafés geglüht?“