Zornig und verächtlich ging ich hinunter auf die Straße. „Ich will sie haben, ich will sie haben,“ so trommelte mein Herz und alles war mir gleich, ich war im Fieber, ich nähme sie als Hure, ich will sie haben, nichts anderes wußte mein Herz. Das Rot über den Dächern war drückend und dunkel geworden. Es glühte zwischen den schwarzen langen Linien der Häuser heraus. Ich spürte keine Hitze, aber Druck. Plötzlich mußte ich wenden . . . . da sah ich unten auf der Straße sehr fern, das Fell über die Achsel nachlässig gelegt, im Autodreß die Fürstin, über das Pflaster gehend, leicht ein wenig sich wiegend, königlich und süß in den Hüften.
Ich wollte rufen, ich hob die Arme. Aber sie waren Blei. Die Stickluft drang in die Kehle, dies ist der Tod, blitzte mein Hirn, der Himmel stand im Bersten . . . . und in dem Augenblick, als die Fürstin, mit dem Fell spielend, leichthin auf den blauroten Horizont zugehend, fast den Rand des Gewölks erreichte und abbog, riß eine brüllende Explosion alles auseinander . . . .
Da erwachte ich. Entsetzt.
Die Augen aufgerissen spähte ich in Dunkelheit. Aber die Sommerlandschaft stand mit mildem Silber in dem Raum, und Duft von Flieder zog durch das Zimmer. Aber noch war ich irr. Ich riß sie herüber, und sie erwachte in meinen Arm hinein, „du,“ rief ich stammelnd: „ich habe dich . . . . ich habe dich.“ Und noch halb im Schlaf erwachte ihr gelöster Mund in meinem, und mit der warmen Nähe ihres Leibes hielt ich wieder unendliches Dasein mit sanftem Herzschlag erdonnernd an meiner Brust. Ich wurde ruhig wie ein Tier, und, die Glieder an ihren gelöst, mit schwindendem Grauen darüber, daß feindlich irgendwo ein Schicksal Ungeheures außerhalb der Macht meiner Arme zu halten vermöchte, mit schon entfernt sich flüchtendem Gefühl des Traums, dem Augenblick unsterblich hingegeben, schlief ich hinein in ihren besitzenden Kuß.
GEDRUCKT BEI POESCHEL & TREPTE IN LEIPZIG