Es schien dunkel im Gang, als ich mich umsah. Schmerz saß in allen Ecken. Das Kind hockte nun spielend auf dem schrägen Dach eines Nachbarhauses und warf glitzernde Kugeln in die Luft.
Langsam ging ich die Treppe hinunter, die Lippen redend: „Es war nicht die Fürstin . . . . Es war nicht die Fürstin . . . .“ Aber es war doch die Fürstin, und ich belog mich nur.
Auf der Straße aber begann mein Herz zu tanzen vor Furcht, daß ich sie nicht fände und zwänge, ich sprang, die Fäuste in den Schläfen, in einen Laden, durcheilte ihn und erblickte eine Tür. Das Licht hing lang und glänzend in ihrem Spalt. Das Zimmer war halb weiß und wieder blau und von einem magischen Leuchten erfüllt. Drei Menschen bewegten sich darin gegeneinander mit weit über Sichtbares hinausgehender Bewegung.
Einer war der Russe Aphroditi, ihn erkannte ich sofort, der Tänzer mit der anarchischen Seele. Er trug ein blaues Kleid, ungegürtet, das bis zu den Knien reichte und den Hals frei ließ. Es war, als folge er einer grausamen unsichtbaren Musik. In den Händen schwang er weiße Callas immer nach demselben Satz. Die beiden anderen waren Frauen, eine kannte ich nicht.
Aber die andere war die Fürstin. Diesmal sah ich sie deutlich.
Ich sah den roten Stern unter ihrer linken Achsel. Sie hatte ein Pantherfell um die Taille geschlungen, sonst war sie nackt. Ihre Brüste hoben sich breit und rund und an den Spitzen ein wenig gereckt nach oben. Eine hohe Mütze aus weißem ungeborenen Lämmerfell krönte als Helm ihr Haar. Sie sprang tanzend vor und zurück, die Lippen berauscht geöffnet, wild und schäumend, die braunen Muskeln unter ihrem Knie ballten sich und entwirrten sich wieder, ihr Auge flammte, die goldenen Brauen glühten. Das war die Fürstin. Ich kannte jede Spur ihres Körpers.
Da sprang unter meiner Begierde die Lähmung, ich schrie. Aber Aphroditi, gegen die Wand gestellt, ließ die Callas fallen unter dem Schrei, und neigte seinen Kopf auf die seitliche Schulter. Dann legte er seine linke Hand mit dem Rücken wider die Wand und schlug einen Dolch hinein bis ans Heft. Aber es kam kein Blut.
Da riß ich die Tür auf, nun war sie mein, aber die Tür schien aus Erz. Die Luft dahinter im Zimmer wurde unerträglich blau. Da schlug ich dröhnend meine Hand durch die Planken. Ich schlug hindurch. Ich hatte sie zerhauen.
Aber wie ich auf der Schwelle stand, war alles umsonst. Das Gesicht der Fürstin verwandelte sich auf der Oberfläche, der tolle große Zug der Nase und des Mundes vertauschte sich. Ich sah mit meinen Augen wie ihr Kopf sich formte in ein unbekanntes freches Gesicht, und indem das Herz in Wut und Schmerz zersplitterte, wie die Fremde, kokottenhaft in Aphroditis Arm sich schaukelnd, im Pas de l’ours die Hüften schwenkend, einen schlechten Schieber begann.
Ich hatte sie beinahe gehabt. Ich wollte sie ganz haben und ruhte nicht.