Es war eine schwarze Eichentür im Seitenkorridor. Vor ihr blieb ich lange stehen, den Kopf in die Handmulden gesenkt. Dann trat ich ein. Ein gelblich brauner Vorhang schloß das Zimmer ab von der Welt. Die Luft war alt und bang, aber ich war nicht zu täuschen, ich roch einen Duft, der ihrem glich. Ihre kupfrige Tunika hing über einem Bügel. Ich näherte mein Gesicht, ich ließ es hineinfallen und wühlte die Hände hinein und schluchzte vor Sehnsucht. Ich roch sie wieder. Wie entflammte mein Herz daran!
Die Wände waren durchbrochen mit Kassetten aus hellem Stein. Darüber waren grelle fremde Seiden gespannt. Auf einem Sockel stand ein Faun in obszöner Haltung. Das einzige Fenster hing über meinem Kopf und siebte die Sonne. In meinem Rücken hingen alle ihre Bilder, die Vasen, die geliebten Wände, ich drehte mich nicht um, denn ich wußte nicht, ob mein Herz nicht brach.
Dann stand ich auf und ging hinaus. Ich sah mich nicht um: „nicht den Faun, nicht die Wand, nicht die Tunika“ flüsterte mein Blut. „Sie“ stammelte es. So kam ich auf die Straße. Der Himmel war schwerrot, glatt mit Email übergossen und schleuderte Abglanz in die Fenster, die Läden, die Gehsteige und die kleinen Pfützen, die wie Ballone funkelten. Nun ging ich in Haus um Haus.
Aber jedes glich dem andern, und bald war ich so verwirrt, daß ich mich selbst im Bilde sah, verrückt vor Suchen und geschlagen von der Sehnsucht. Da erscholl der Ton einer Laute.
Nun lächelte ich und trat in ein rötliches Haus ohne Zögerung. Voll Sicherheit stieg ich zum Giebel. Dann ging ich langsam wieder herunter und horchte angespannt. In der zweiten Etage streifte ich eine Tür, und als ich vorüber war, drehte ich um, und unnennbar voll Gewißheit ging ich auf ein Papier zu, das daran klebte. Meine Augen waren aufgesogen von dem Weiß, das ihren Namen tragen würde. Ich war so voll von Sicherheit, daß ich die Augen schloß im Übermut, und durch die Lider sah ich ihren Namen blau und schräg auf den Karton gemalt, ihren wilden berauschenden Namen, den ersten großen herrschenden Buchstaben und die steifen in Leidenschaft erstarrten der anderen . . . . und vortretend, die Lider gesperrt, las ich einen fremden russischen Namen, gleichgültig wie Eis. Allein ich lächelte. Sicherheit verließ mich nicht.
Die Tür stand im Spalt, und ich sah hinein. In der Ecke hockte ein häßlicher brauner Kerl, ich kannte ihn nicht. Mitten aber, mitten stand die Fürstin und schlug die Balalaika. Das hatte ich immer schon gehört.
Aber als mein Blick sie begehrte, und mein Bein schon federte im Sprung, traf mich durch die Luft ein Schlag, ich stand gelähmt. Es kam von ihr, ich fühlte es, denn nur sie hatte diese fremde Macht über mein Hirn. Ich wandte mich um, und zu einem blauäugigen Kind, das hinter mir stand, gewendet, fragte ich: „Man tritt nicht ein . . . .“. Aber das Kind schaute vor sich hin ohne Antwort.
Da ging ich grad und langsam bis ans Ende des Ganges. An einem Fenster mit grünen Glaskacheln sicherte ich den Revolver ruhig und besinnungslos und wartete, an die Wand gelehnt.
Bald brach die Musik ab. Die Fürstin trat aus dem Zimmer, bog und ging das entgegengesetzte Stück des Gangs. Ihre Röcke, aufgebauscht mit Lilien auf weißem Grund, wölbten sich über den Hüften schwach bewegt. Immer war ein Raum zwischen ihrem Leib und ihren Kleidern, durch jedes Gewand sah ich ihre eigentliche Form. Aber wie sie ging so, schoß ich nicht nach ihr, ich konnte nichts tun wie sie ansehen und vergehen vor Wünschen. Ist dies die Frau, gegen die ich schwach bin, fragte ich staunend verwirrt, doch schon verging meine Wut, denn ich sah glänzend im Schatten der Stiegen beim Wenden ihr Profil.
Hinter ihr ging der Braune und seine Gestalt, noch häßlich wie ein Affe aber stark wie ein Tier im Zimmer, zog gebeugt mit paralytischen Beinen hinter ihr her, und ein süßlicher Geruch wie von Leichen strömte langsam von ihm den Gang herauf.