DIES erste ging rasch vorüber, wir waren durch Wald gefahren, der Wagen hielt. Wir steigen aus. Die Pferde rennen weiter. Nun ist es Sommer.

Die silbrige Allee dreht um. In gelber Sonne leuchtet mit Spiegelscheiben das französische Landhaus. Syringen und Springbrunnen sind darum gezogen. Die Fürstin lächelt aus braunem Gesicht, und ihr Lächeln wirft alles zurück, die Zeit und die Schmerzen. Wir sind da. Ich reiße sie hinein.

In ihren Gelenken schaukelt Liebe, sie berauscht die Luft. Sie gleitet durch die Räume. Ihre Finger weisen, zeigen, deuten, Wände, Bilder, die Vasen, sie lächelt vor Sehnsucht, das braune Gesicht strahlt in wildem Schein auf, ihr federndes Bewegen zündet bunte Abenteuerlichkeit in die Landschaft. Da stürzen die Munde zusammen.

Hier ist ein Sommer, den wir durchleben wollen. Ganz über dem Horizont steht blauer duftender Himmel gespannt über den Mähnen der blonden Weizenfelder, und er wird noch zärtlicher um ihre Fremdheit, die mit Goldregen die Bläue verblaßt, und sich versträhnt dem dunklen Duft des Flieders. Die Fenster stehen weit gegen die Landschaft.

Dann kam der Traum:

In dieser ersten Nacht, wo Tau durch die Monddämmerung spann im Park, träumte ich, daß ich die Fürstin suche, und im Schlaf war die Gegend verändert im Grund. Ich war in einer Stadt mit alten Giebeln, durch die eine Straße lief mit schräger enger Front. Die Häuser erhielten Höhe mit großen Baracktoren, mit Erker und vermooster Skulptur und gestaffeltem Dachzug. Dennoch schien eins dem andern gleich. Eine Luft lag dick und dumpf in der Straße. Die Fenster schienen blind und reglos. Kein Geräusch, kein Ton durchdrang die Luft. Selbst meinen Schritt hörte ich nicht.

Ich trat in eine Torfahrt, die Fürstin zu suchen, da schien sie mich vertraut und freundlich aufzunehmen. Ich sah mich um. Da kam es mir, daß ich sie oft mit ihr durchschritten hatte, und Rührung durchlief mich tief. Durch einen schmalen Hof an Seitenflügeln hinunterschreitend, hörte ich Wasser, es war, als laufe ein Fluß hinter dem Gebäude. Ich trat ein. Sieben Kinder mit hellen Haaren umringten mich, aber sie kannten die Fürstin nicht, als ich danach fragte. Dennoch durchsuchte ich alle Zimmer, ich verschonte nichts, aber ich fand sie nicht und stand mit einemmal neu auf der Straße.

In der Schwüle war eine leichte Bewegung, ich begriff sie nicht und horchte erstaunt. Dann aber merkte ich, daß die großen Scheiben der Läden Falten hatten und sich im Kreise drehend in die Straße hineinschlugen und zurückebbten. Ich blieb stehen und besah die Häuser alle nachdenklich.

Dann nahm ich ein anderes Haus und trat hinein, und stieg ohne Pause auf einer immer gedrehten Treppe. Es liefen viele Gänge strahlenförmig davon aus. Aber ich ließ sie hochmütig und schlug eine kleine Seitenloge ein und wußte nun sofort an der Tönung der Wände, am Geruch der Geländer, ich wußte es wie im Irrsinn, hier sei die Fürstin, und Freude brach mir aus dem Gesicht.

Ich sah eine Tür und drückte die Klinke auf und trat ein. Das Zimmer stand voll mit Gerät. Doch ich lächelte. Ich hatte geirrt in der Handlung. Ich war zu sehr voll Sehnsucht. Meine Hände kannten eine bessere Tür.