Blumen will ich an dein Bild heften an der Wand. Freude soll dich schwellen, wenn du hereintrittst. Vieles will ich dir schenken.
Du sollst alles haben, meine wilde Katze. Meine Preise will ich dir geben, die silbernen Pokale, die Bilder und die Spitzen, meine Figuren will ich dir schenken. Nichts soll mir noch sein. Heute Nacht will ich den Eindruck deines Bildes mit meinen Blicken in den Baum schleudern, daß es, unsäglich gehoben, wie ein zuckender Stern den Himmel durchbricht.
Aber ich werde dich nicht besitzen.
Du . . . . mein Blut . . . . Mein Blut ist wie ein Büffel auf der Steppe im Frühling nach dir, Ich will es dumpf machen. Ich will die Herzklappe schließen, daß sie anschwillt. Ich will es ertragen.
Ich will lächeln, und die Zunge in den Hals zurückstoßen, daß ich ersticke am eigenen Atem, der nach deinem Munde rauscht. Fieber wird mich ausbrennen — ich aber will deine Hand halten ruhig und selig wie ein Kind die Schnur seines Drachen, der groß und schön in einem flockigen Abend steht.
Ich will mein Blut züchtigen, daß es nicht weiter fließt wie bis an die Handgelenke. Mögen Katarakte in meine Knie stürmen, du wirst nicht sehen, wenn sie aufgewühlt stehn.
Denn es gibt einen Tag, der bleiben muß: aufgerissen und kühn über jeder Umarmung . . . . gibt einen Tag der bleiben muß. Freude stirbt in jeder Umarmung: Unendliche Freude unseres staunenden Lachens am ersten Tage wird darin sterben. Aber wir hatten zu viel Traurigkeit, wir hatten zu viel einsame Nächte voll Wahnsinn, du hast mich gefürchtet, und ich haßte dich, wir brauchen diese Zeit.
Seligkeit soll einwachsen, Fürstin, in unsere Seele zuerst und sicher wieder, bis sie klar darin schwebt wie eine Kuppel in Kathedralen, wie ein Dolch in deinem gerundeten Wappen. Darum Fürstin will ich mein Blut niederwerfen, wie Moses die Amalekiter hinschlug, indem er die Hand hochstieß, senkrecht in den Himmel.
Dies ist mehr — und ich weiß es brennend und stärker aus vielen Umarmungen — als morgen schon die brünstige Nacht mit dir: daß ich später über allen Rausch hinweg, der komme, nur die reine unendlich große Luft der Ewigkeit dieser zwei Tage spüre, wenn ich an dich denke, wie ich es tat, als ich nach Hause ging und deinen Brief fand, der dich ansagte wieder . . . . und als die Schatten noch unbeknospter Birken in Mond und Dämmerung auf den Asphalten froren . . . . wie es steht in mir tänzerisch und steil auf der hochgerissensten Welle: Wie du auf der Alten Mainbrücke standest. Wasserruch dich umspannte, letzte Sonne, als der Fluß, ruhiger verströmend, dich plötzlich liebte, Horizont aufbrach um dich, gelb und ungeheuer, und dich mit wilden Schreien die Mildheit hundert weißer Möven umflatterte . . . . und dann wie du durch den Laternenabend Würzburgs neben mir gingst in der fließenden Schönheit deines fürstlich grünen Kleides, und, die ich dir in einem Wagen am Ufer gekauft habe, die glasgoldenen Kugeln von zwei Apfelsinen in den Händen, strahlend wie deine eigenen Brüste über die Kaiserstraße trugst.