Den Platz der Stadt fanden sie zerrissen von Schreien. Aufbäumende, in wüste lange Schnörkel sich ausgießende Laute röhrten aus der Ecke. Ein Mann in dicke Tücher vermummt, vor dem Gesicht die Larve, war an einen Pfahl gebunden, die Arme verkreuzt. Sein Leib wand sich zwischen den Stricken hin und her in den fanatischen Konvulsionen eines Berauschten. Sein Kopf stand, am Hals in einer Klammer gefaßt unbeweglich darüber wie eine Plastik aus Stein, in der nur die Lippen sich verzerrten und die Augen, groß, rund und aufgesperrt sich verdrehten. Über ihm hing eine Röhre, die ein Mann bediente. Aus ihr fiel von Zeit zu Zeit ein Tropfen dampfendes Öl auf den Schädel des Gemarterten.
Sie riefen und man antwortete aus einem Haus: es sei Thibaut de Nesle, den ein Aussatz überfallen habe und den man so strafe dafür, daß er es verheimlichte und nicht beim ersten Zeichen die Stadt verließ. Da schwoll Jehans Gesicht vor Zorn. Er erinnerte sich des Todes seines gelben Saumtieres, das ein Preis war von Toulouse, und er verdoppelte den Einsatz für den, der einen Aussätzigen im Wald erschlüge und setzte ihn auf vierzig Denare. Dann warf er den Kopf zurück. Er ritt genau vor den Ritter Girard und befahl ihm, dem Henker zu sagen, daß er dem an den Piroli Gebundenen fünfzig Tropfen heißes Öl mehr geben solle auf seinen Befehl. Er sagte es laut vor den anderen Reitern. Er sagte es laut vor allen Köpfen, die in den Fenstern liegend, in Kreisen den Platz umschnürten.
Girard hob das Kinn. Auge stand in Auge. Jehans Blicke stachen lange in die des Ritters, bis dieser langsam zusammensank und die Schande auf sich nahm und zu dem Henker sprach. Als er zurückkam, war er bleich und Tränen liefen aus seinen Augen.
Der Aussätzige warf einen Schrei aus der Kehle der aufschwirrte und hinüberzischte wie ein Pfeil.
Auch in Beautrix’ Gesicht schwebte ein Weinen und ging nieder, als sie zu Hause waren. Sie fragte, warum er den Hohn über den jungen Mann getan hätte und zitterte, denn sie empfand, daß er grausam sei.
Doch Jehan wies ruhig auf ihren Handschuh aus weichem weißen Leder und malte mit dem Finger die Stelle, die Girard geküßt hatte und sagte: „Ich hatte ihn sonst töten müssen.“
Da empfand Beautrix in einer maßlosen Erhebung, wie sehr er sie liebte, und sie wusch sich viele Male den Leib mit Moro-Öl und byzantinischen Wassern am Abend, um ihn beflügelt und festlich zu empfangen und verzehnfachte sich in den sieben Wochen, die diesem Tage folgten, deren Tage straff und klar waren und deren Nächte überstrahlt über sie gingen, heller und furchtbarer als tausend Gewitter.
Eines Tages erschien ein provencalischer Sänger und übernachtete in Jehans Haus.
In dieser Nacht träumte Jehan Bodel, Sire d’Arras, er gehe durch einen Wald, dessen Bäume gebogen seien und tönten und sängen. Es war ein Lied, das ihn schmerzte. Er sah eine gläserne Tonne und floh in sie; sie bewegte sich, stürzte ab und über ein Riff ins Wasser und bohrte sich auf den Grund eines Meers. Einige Zeit hörte er nur die klingende Musik des Wassers, das an dem Glas rieb. Dann kamen Fische. Sie verschwanden. Dann war gar nichts als Meer, und die Endlosigkeit überfiel ihn und eine weite Leere umringte seine Gedanken, und wie er erwachte, war etwas in ihm, das wie eine Blumenspritze seine Sinne zerstäubte und ihn machte, als schwebe er.
Mittags ging der Provencale.