Nach einer Woche schwirrte das Gerücht durch die Stadt und die Umgebung, Jehan lese am Tage darauf sein neues Chanson.

Er trat an diesem Morgen selbst bei Beautrix ein. Sie lag, bleich, da sie nicht mehr aß, auf einem flachen Kissen auf den Stufen zu ihrem Bett.

Er sagte ihr kurz, sie solle ihr bestes Kleid anziehn und mit ihm kommen. Sein Mund war streng. Sie wollte sich auf ihn stürzen, doch er wies sie zurück. Da faltete sich ein Zug Trotz quer über ihr Gesicht, sie spielte mit dem Knauf des Bettes und regte sich nicht, wie er ging.

Dann aber lief sie hinüber und schaute durch das maurische Gitter. Er saß auf der Ottomane wartend und sie sah, wie der Zorn aus seinen Augen geschmolzen war und wie sie glanzlos starrten . . . Da zögerte sie nicht mehr.

Sie schlang den blauen und gelben Turban um die Haare und steckte sieben Dolche hinein und band an den ersten einen weißen Schleier, führte ihn unter das Kinn, das er schwebte, und hakte ihn wieder an dem siebenten ein. Dann schloß sie um ihre kleinen Brüste ein weißes Mieder, das dünne gerötete Zwicken hatte an den Achseln, welche in die Arme liefen mit engen Ärmeln aus reinem Goldbrokat und zwischen denen die weiße Seide des Rockes hinunterströmte zu den gekreuzten Schnüren aus Hermelin und dem Passepoil mit roten und lila Augen.

Sie gingen zusammen zum Markt. Eine große Masse bedeckte ihn und schob sich in Reihen durcheinander. Neue Ströme rauschten durch die Tore von außen. Vereine mit Talaren und ein Priester, der in rotbekleideten Händen eine Fahne hielt. Einige Partien sangen. Eine Schar Mädchen sang dann Sommerlieder, und der Rhythmus der Kommenden hakte in sie hinein wie das abgerissen Zanken von Papageien.

Jehan ging auf das Gerüst. Hinter ihm stand der figurenvolle, schlündige Eingang des Münsters, aus dem schwache Kerzen flimmerten. Jehan grüßte lachend das Volk. Ein seidiger blauer Himmel hing über dem Platz. Lachend gaben sie ihm den Gruß zurück. Dann wandelte sich sein Gesicht in eine undurchsichtige Strenge, und er las Li congie de Jehan Bodel d’Arras, das heißt, er sagte den Bürgern Lebewohl. Er las weiter. Die Gesichter unter ihm strafften sich. Sie spannten sich in eine atemlose Erregung. Einer hob die Hand. Alle hoben die Hand. Ein Sturm von Händen hob an und warf seinen Willen gegen die Brüstung, daß er bleibe. Und die Gesichter entstarrten sich und flammten auf in Ekstase und sie schrieen es. Sie tobten und stürmten vor.

Da hob Jehan beide Hände zum Hals, hakte sie ein und riß nach zwei Seiten das Kleid auseinander und stemmte ihrem Schreien seine nackte Brust entgegen. Er breitete die Arme aus. Auf seiner Haut tanzten blaue Flecken, und ein rotes Geschwulst durchbrach die Brust.

Ein Zittern lang stand das Brausen gegen das Ungeheure.

Die Arme sanken zurück Das Schreien ward Geheul. Männer rissen Weiber zurück von dem Aussatz. Sie wichen. Wie unter Peitschenhieben verknirschte der Aufruhr und duckte sich. Eins gab es nur: Flucht! —.