Hierauf erhoben sich die andern und sagten etwas, das ich wieder nicht verstand, worauf jeder mir die Hand gab. Ich lehnte ihre Zigarren ab, trank aber ein paar Gläser Wein mit ihnen. Dann ward ich müd. Auf einem Strohsack in einer Nische schlief ich die Nacht. Am Morgen sah ich niemand mehr. Ich durchsuchte das ganze Haus. Niemand. Ich ließ ein Silberstück liegen und ging weiter. Es konnte keine Meile Entfernung sein, als das hölzerne Geklapper eines Maultiers mich umwenden ließ. Der Knecht brachte mir das Geldstück und viele Empfehlungen für Joaquin Pelayo.
Ihn selbst glaubte ich sofort zu kennen. Er stand vor seinem Haus und wusch sich den Oberkörper mit Regenwasser aus einer Tonne. Er begnügte sich zuerst, durchaus keine Notiz von mir zu nehmen. Ich begrüßte ihn. Dann wiederholte ich meinen Gruß. Ich nannte seinen Namen. Darauf stellte ich mich aufgerichtet vor ihn hin und trat mit dem Fuße mehrmals gegen das Faß. Er ließ ruhig ohne Rührung den Strahl über seinen Arm laufen. Die Muskeln brachen wie Wülste hervor, wenn er den Ellenbogen ein wenig krümmte.
Ich zweifelte nun, ob er es doch sei. Mein Instinkt konnte mich betrogen haben. Nun nahm ich meinen Stock bei der Spitze und klopfte ihm mit der Zwinge auf den Rücken. Wie ein Schlagbaum wuchs etwas vor mir in die Höhe. Ich hielt verwirrt meinen Stock in einer lächerlich täppischen Lage wie eine Kinderfahne.
Ich erstaunte über die Würde des Mannes und seine unnatürliche Größe.
Als er meinen Zettel gelesen hatte, gab er mir die Hand. Er fragte nach seinem Freunde Antoine. Antoine war doch ältester französischer Adel. Ich ließ nicht merken, daß ich verblüfft war. Ich redete rasch und abgerissen. Er schloß sein Hemd und zog eine kurze Jacke darüber, die ihn noch größer machte. Dann rief er zweimal : „Maintoni . . .“
Maintoni kam, nahm mit einem leichten Fallenlassen der Lider meine rechte Hand und zog mich ins Haus. Wir gingen über einen langen Gang und traten in ein hohes Zimmer. Maintoni drehte sich um und rief hinaus: „Rodriguez!“ Eine alte Frau saß an einem Fenster und murmelte vor sich hin. Maintoni küßte ihr die Hand und ging hinaus.
Rodriguez goß eine Flut Freundschaftsversicherungen aus. Sein Körper war schlank und von wunderbarem Zusammenspiel der Gelenke. Das Gesicht wirkte in der Nähe kantig gegen die Harmonie des Wuchses. Die Nase war ein wenig zu lang.
Die Alte fing an lauter zu reden. Ihre Stimme hatte eine knarrende Biegungslosigkeit. Einige Bilder und Miniaturen standen auf einem Tisch vor ihr. Rodriguez wartete, bis ich sie begrüßt hatte. Sie dankte, sprach aber weiter. Dann sagte er mir, es sei die Mutter Pelayos. Sie lebte nur noch in ihren ersten dreißig Jahren. Die Umgebung kannte sie nicht mehr. Eine dichte Luftschicht, von Erinnerungen gesättigt, umgab sie wie körperlich und schloß hermetisch alle Berührungen mit der Welt ab.
Doch küßte Joaquin Pelayo ihr ebenfalls ehrfurchtsvoll die Hand, als er eintrat. Maintoni brachte mir zu trinken. Während dem Essen legte der Hausherr plötzlich die Hand auf den Arm seiner Tochter. Er trug einen Ring mit einem riesigen Solitaire. Ohne daß Sonne ihn traf, blendete er. Ich sah sofort, daß er echt war. Pelayo sagte zu Rodriguez, als Maintoni hinausgegangen war:
„Sennor, Sie werden unserem Freunde Ihr Zimmer abtreten! Sie werden unten schlafen bis zur Hochzeit.“ Ich wollte Einwendungen machen. Aber man schlug mich mit Freundlichkeit nieder. Pelayo zog sich zuerst zurück. Rodriguez erzählte mir gleich, daß er in vierzehn Tagen heiraten werde. Maintoni sei dann gerade siebzehn Jahre alt.