Ich sagte ihm, daß es genüge, wenn das Kreuz die Brust berührt habe . . .
Oft trug der Wind den Duft der Linden herüber und verteilte ihn dünn und zärtlich über das Wasser. Ein paar hundert Meter vom Strand lag eine breite Klippe. Dort war, wenn die Flut nicht ging, die kühlste Stelle der ganzen Gegend.
Nachts schlug das Meer gegen den Strand.
Joaquin Pelayo kam noch stolzer als früher. Es war am heißesten Mittag. Maintoni brachte eisgekühltes Pomeranzenwasser mit Zuckerbrot und später Schokolade. Mein Gepäck war nachgekommen, und ich zeigte ihm ein paar Aufnahmen Antoines aus den letzten Monaten. Ich erzählte ihm auch von dem Eindruck des Zettels auf den Besitzer der Venta, wo ich die Nacht verbracht hatte auf der Suche nach ihm. Er lächelte leicht:
„Lassen Sie aber keine Geldstücke bei mir liegen!“
Ich lachte: „Da müßte der Diamant an Ihrem Finger nicht unter Brüdern zwanzigtausend Francs wert sein . . .“
Es war, als hätte ich mit der Hand auf den Tisch gehauen. Alle wurden still. Rodriguez strich sich übers Haar, und Maintoni sah scheu zu ihrem Vater.
Ich sprach nicht weiter. Die Stimmung dieser Lähmung lief an uns ab, wir rauchten, und als es kühler wurde, sahen wir eine Frau von Balaguer heraufkommen. Vor den zwei Meilensteinen kniete sie nieder. Wir saßen auf der Galerie des ersten Stocks. Beim Näherkommen ging sie langsamer. Sie blieb lange unten bei der alten Frau, die immer mit sich sprach. Dann trat sie bescheiden heraus. Die Demut ihrer Haltung stand in sonderbarem Widerspruch mit dem heroischen Risse des Gesichts. Nur die Augen linderten die Stärke der Linien und die Bronzeglut der Haut. Sie waren weit aufgebogen und leuchteten in hellem Glauben. Sie trug die Tracht der Nonnen von Hospitalitet.
„Sor Gracia, meine Schwester“, sagte Pelayo.
Ein kräftiger Wind ließ das Meer opalisieren. Die Linie der Küste zischte wie in versteckter Wut. Draußen an der Klippe sprang manchmal eine gepeitschte Welle springbrunnenhaft und heftig in die Höhe. Der Himmel nahm eine tiefrote Glut mit blauen Rändern an.