Sor Gracia sprach in kindlichem Tonfall vom Kloster; und wie sie sich freue, am jüngsten Tage eine kleine Harfe zu spielen. Sor Blanca und Sor Uraca würden auf Violen geigen. In den halbdunklen schlaflosen Nächten der gemeinsamen Zelle sprächen sie oft davon.

Am nächsten Tage kam der betäubende Duft wieder heftig aus dem Zimmer im Erdgeschoß. Zu mancher Zeit schien es mir, als ginge ein Ton durch das Haus von splitterndem Glas.

Den Tag darauf legte sich der Wind ganz. In den Zimmern ward alle Stunden gesprengt. Die Hitze war zehrend geworden. Als ich hinunterschaute zum Strand über die kleine Bucht, wo die bewimpelten Pirogen Joaquin Pelayos lagen, hinweg, sah ich auf der Klippe ein kleines gelbes Tuch, das schlaff an einer Stange herabfiel. Wir schliefen den vollen Mittag. —

Die Fahne wehte am Abend. Sie wehte am folgenden Morgen. Sie wehte wieder am Abend. Ein schwacher Wind spielte lüstern mit ihr. Er legte sich in die Falten, drehte sich darin und ließ das Tuch herabfallen. Dann blies er es von neuem hoch.

Mit der Dunkelheit zündeten wir Laternen an. Wir gingen am Strand entlang. Dann bogen wir nach einer halben Stunde links ab: Maintonis Haare glänzten kupfern. Wir trugen kurzgestielte Netze mit feinen Maschen. In kleinen Abständen blieben wir stehen und hielten mit kurzem Ruck die Laternen dicht über das Wasser. So schritten wir den kleinen Fluß entlang ins Land hinein. Allmählich gewöhnten sich meine Augen daran, das zuckende Heranschleichen der Aale zu beobachten. Maintoni half mir, zeigte mir, wie ich das Netz halten, wie ich zustoßen müsse. Doch ich fing keine.

Rodriguez hatte drei. Aber Maintoni sieben.

Es wurde hell, als wir nach Hause kamen. Maintoni hatte die gleiche Ruhe wie stets. Sie hatte kein Brennen im Blick, keine Röte auf der Haut. Ich schlief den ganzen Tag. Als ich aufwachte, hörte ich, noch schlaftrunken, Stimmen. Eine kurze, spitzige, die herüberschoß, eine breite, starke, die ihr entgegenkam. Dann ein ärgerlicher Ausruf — — ein Wagen, der anzog — — noch ein paar Stimmen. Ich lief zur Galerie. Ich bog mich weit über die Holzstäbe . . . . . .

Ich taumelte, ich riß mich hoch. Das Holz knirschte. Ich fühlte, daß mein Atem pfiff. Ich sah es . . . es war dasselbe Gesicht des, der lächelnd Perdicans Wechsel in die Westentasche steckte . . . es waren dieselben Züge, es war derselbe, den ich zwei Tage vor dem Tod der Frau von Montbellaire mit entstelltem Gesicht, die Augen grün untergraben, mit schlappen Linien, die nach dem Mund herunterfielen, aus ihrer Loge stürzen sah.

In dem Wagen saßen noch Frauen, auch einige Männer.

Ohne Gefühl nahm ich, als ich hinausschaute, in mich auf: Die Fahne wehte nicht mehr.