„Es wird zwei Tage dauern“, sagte er. Ich war dabei. Wir gingen Stunden. Wir schliefen den Mittag unter ein paar Pinonenfichten. Es wurde dämmerig. Wir kamen in ein Tal, das sich zwischen rauhe Bergwände einnistete. Ein abschüssiger Pfad führte zum Meer.

Ich hatte Joaquin Pelayo gefragt, was die Fahne auf der Klippe bedeute. Ich hatte ihn gefragt, woher er Antoine kenne. Dann hatte ich gefragt, was das Geheimnis des Zimmers sei, aus dem der Duft ströme, und auf dessen Tisch ich das Blitzen sah.

Joaquin Pelayo sagte mir, daß er Baske sei. Antoines Mutter sei aus dem alten Königsgeschlecht und in einem Zweige mit ihm verwandt.

Ich erinnerte mich an Antoines Mutter nicht mehr. Sie mußte schon lange tot sein. „Bei Antoines Geburt“, sagte Pelayo. „Dieser Familienstamm ist älter als der ganze europäische Adel. Antoine und ich entdeckten unsere Verwandtschaft, als er kam, einen Diamanten bei mir schleifen zu lassen.“ Das sei auch das Geheimnis des Zimmers: Sein Laboratorium. —

„Die Fahne ist eine alte Sitte der Kontrebandisten. Es ist gefährlich, Sennor, wenn man weiß, daß Diamanten bei mir ausgeladen werden. Ich habe den Schmuck der Herzogin von Guise und das Diadem der Fürstin Rubinowitsch geschliffen. Sie sehen, welche Werte ich manchmal im Hause habe. Die Fahne bedeutet je nach der Farbe, daß ich am soundsovielten Tage hierher komme. Das Schiff fährt an der Küste vorbei, und man läd hier aus.“ Pelayo schaute angestrengt durch das Dunkel zum Meer hinunter. Dann meinte er lächelnd: „Sie werden erstaunt sein, Sennor, . . . ein unbekannter Mann . . . hier in der Einöde . . . schleift den berühmtesten Schmuck. — — Ich habe in Sevilla von einem Mauren, der mich liebte, ein System erhalten. — — — Maintoni soll glücklich werden“, fügte er ohne Zusammenhang hinzu.

Er zeigte mir eine Holzhütte mit Stroh. Der dünne Ton einer Pfeife — — — Pelayo verschwand. Ich aber konnte nicht schlafen. Ich ging das Tal hinauf. Mohn wuchs im Gras. Wilde Lilien standen überall. Durch einen kleinen Wald mit Eichen schritt ich hindurch. Eine Trappe rauschte an mir vorbei. Leicht feucht war die Luft. Tau hing im Gras. Ich aber konnte nicht schlafen.

Ich warf mich auf den Rücken und sah, wie die Sterne über das Meer hinauswuchsen und mich traurig machten.

Pelayo schlief in der Hütte. Wir schenkten einem bettelnden Gendarmen Brot unterwegs. Maintoni weinte, als wir heimkamen. Sie hatte uns nicht erwartet.

Maintoni weinte oft, wenn sie glaubte, daß es niemand sah. Maintoni hatte goldene, glänzende Zöpfe, die wie Seide herabfielen und deren bebänderte Enden sie im Gürtel trug. Ihre Brauen waren halb blau und halb schwarz und waren lang und so fein wie der Schatten einer Feder.

Es war so heiß, daß die Fenster im ganzen Haus ausgehängt wurden, die Türen wurden geöffnet. Die Diener wehten mit Palmblättern Wind, wenn wir speisten.