Es war Mittag. Rodriguez kam zu mir. Er setzte sich auf die Binsenmatte. Dann stand er wieder auf. Dann stützte er sich gegen das silberne Kohlenbecken. Er sagte: „Sennor, Maintoni ist traurig.“ Ich tröstete ihn. Ich sagte ihm: „Es wird die Hochzeit sein, Rodriguez.“ Doch er schüttelte den Kopf.
Ich fragte Maintoni. Maintoni sagte: „Ich bin nicht traurig. Ich freue mich, Sennor.“ Aber Maintoni hatte rote Augen.
Da sagte ich: „Maintoni! Rodriguez leidet sehr.“ —
Maintoni bekam große blendende Augen! „Sennor, Rodriguez liebt mich. Ich liebe ihn auch. Rodriguez hat mir das Leben gerettet. Sennor, was habe ich, um es ihm wiederzugeben? Nichts, Sennor.“ . . .
Am Tage vor der Hochzeit kam Sor Gracia. Sie setzte sich lang zu der Alten, die immer sprach. Der Saal war weiß gestrichen. Oben lief eine Borte von gemalten Heiligen. Aus der Achsel eines jeden wuchs ein Arm aus Messing. In der Hand hielt jeder eine Kerze. Sor Gracia zündete alle Kerzen an. Es mochten hundert sein.
Sie sprach noch, daß sie am Jüngsten Tage eine kleine Harfe spielen werde. Sor Blanca und Sor Uraca würden auf Violen geigen. In den halbdunklen schlaflosen Nächten der gemeinsamen Zelle sprächen sie oft davon.
Viele Leute kamen. Frauen in grünen und gelben Miedern. Frauen in Schuhen ohne Absätze, in Schuhen aus Seide, in Schuhen aus Seide mit Gold, mit Silber, mit Muscheln, mit vielen weißen Perlen bestickt. Sie tanzten Fandango. Sie tanzten den Bolero. Maintoni tanzte. Rodriguez tanzte. Alle anderen sahen zu. Kastagnetten trommelten. Tamburine und Flöten klangen. Die Männer schnalzten mit den Fingern. Andere schlugen in die Hände. Eine Sackpfeife spielte mit hohem, eintönigem, melancholischem Klang. Maintoni trat allein vor. Sie neigte sich vor Rodriguez. Er folgte. Die Glieder spannten sich in einen heißeren Rhythmus. Sie wuchsen, umkreisten sich. Sie wölbten die Brust. Der Rücken bog sich, die Hände wurden heiß. Dann hielten sie in einer plastischen Pose, lösten sich und gingen allein in das Dunkel. Sie kehrten bald zurück.
Die Gäste gingen.
Ich stieg hinauf, um zu schlafen.
Es war spät in der Nacht.