Ihre Glieder rauschten unter der dünnen Decke. Wie sie auffuhr, sah er nur das Innige ihrer Form, den Druck des Körpers in den Kissen — und dann roch er sie. Es beugte ihn nieder, aber er zwang sich zurück und roch sie nur, sah nichts, hatte kein Gehör und atmete mit geschwellten Nüstern.
Ich habe noch nie den Duft ihres Körpers gespürt, war es ihm.
Es spannte ihm das Hirn dunkel und süß zusammen.
„Morgen —?“ knirschte er, denn selbst die Stimmbänder waren mit Blut überschwemmt. Und er legte seinen heißen Kopf neben den ihren und riß ihn weg, taumelnd, und legte ihn wieder hin und Härte und Knabenhaftes verstießen sich gegenseitig von seinen Mienen.
Dann riß er sich hoch. Juana faßte seinen Nacken und zog ihn von neuem herunter: „Warum — du . . . heute?“ Sie stieß es brennend heraus und in Scham. Sie stand halb und war halb gekauert in der Ecke des Bettes. Sie faßte seinen Kopf, daß ihre Ellenbogen schräg nach oben standen und ihre Fingerspitzen sich unter seinem Kinn berührten, während die Handflächen kühl nach den Schläfen hinauf lagen. Nun war nur noch das Kreisen der Gesichter voreinander und das Liegen von Auge auf Auge.
Endlich stammelte sie es, was ihre Glieder lange schon schrien: „Sie sollen bleiben, Marques . . . hier — —“ und zitterte.
Er entrann gewaltig ihren Händen und wie von einer Welle aufgejagt und gesteilt warf er sich auf die Knie, wühlte den Kopf in ihren Leib und drückte die trockenen Lippen in einer Schnur von Küssen den Körper hinauf nach dem Hals auf den dünnen Batist.
„Corazon!“ . . . stammelte sie. Und wieder: „Corazon!“ . . . mit hingebenden Lippen. Seine Hände hatte Las Casas auf dem Rücken übereinander geschlagen und mit entsetzlicher Anstrengung ineinander verkrampft.
Sein Mund spannte sich in allen Qualen und mit von Küssen halbzerfressenen Worten sagte er: „Nein!“ und viele Male: „Nein.“ Und als er ruhiger war, kam es ihm in das Bewußtsein, daß er sie liebe und daß sie ihn liebe und daß er es immer schon wisse, aber heute erst sehe. Aber er haßte die Erkenntnis, und sein Blick stieß gegen die Wand und kam nicht weiter, und sein Kopf füllte sich schwer mit Blut und er sagte ihr, daß dies ihm nicht genug sei. „Ich habe Durst nach dir, aber das Fliegende und Schreiende in meinem Blut geht weit darüber.“ Und er weinte und zerbiß den dünnen Stoff ihres Hemdes. Er stammelte gehetzt von seinem Brande nach dieser Tat, die endlich soweit vorbereitet war, und indem er davon sprach, sprühte das Aufleuchtende der Meere und Flotten vor seinen Augen auf und raste in grellroten Kreisen über ihn: „Ich will den Bassa nicht nur jagen, aufhängen, schinden, weil er meinen Bruder fing, unsere Schiffe fraß und Isabella, die eine Verwandte ist, schändete und seinen Leuten ließ zwei Wochen lang. Seit ich sehen kann, sehe ich ihn. Seit mein Gehirn Gedanken packt, denke ich an ihn. Ich weiß jede Phase des Kampfes, mag er sein vor Venedig, bei Cadix, in Marokko . . . ich weiß wie eingebrannt im voraus die kleinste Schwankung des Gefechts. Es gibt keine Stelle, auf der ich ihn nicht im Traum schon niederstieß. Meine Gedanken haben ihn so umkreist, daß ich jede Narbe an ihm kenne, daß ich mehr von ihm weiß wie von mir. Der Name Bassa Yousouf macht mich blind. — — Ich fahre heute nacht.“
Er stand kalt auf. Ihre Hand spielte auf seinem Haar. Sie ließ ihn, denn sie begriff das Heiße in ihm und auch, daß sie ihn noch nicht ganz umschloß, aber sie wußte, daß er sie liebe, und ihr war stolz, als er sich aufriß und sie nicht nahm und sie brennend verließ.