Die Sonne ging auf.
Die Schiffe fuhren zuerst nach Genua. Sie kamen eines Abends an. Eine Goelette legte an bei ihnen. Ein Mann brachte Nachrichten, und sie fuhren in die Nacht zurück. Am nächsten Tage fingen sie ein paar holländische Segler, die in der Windstille lagen. Sie hatten Perlen, Seide und Pomeranzen. Sie verkauften die Schiffe in San Sebastian.
„Wir werden Yousoufs Turban auf den Mast setzen und ihn nachts im königlichen Garten aufpflanzen“, sagte Las Casas zu seinen Offizieren, und sein Gesicht zuckte, während seine Hände mit den besten Perlen spielten, die er zu einer Kette gebunden hatte und indem seine Gedanken um den Nacken Juanas flossen.
Am Abend bliesen sie Hörner und Zinken auf der Proda. Aus dem Korb rief einer und meldete etwas. Es war eine Walfischherde, die spielte.
Am folgenden Mittag stießen sie auf eine Flottille mit gekappten Masten. Die Besatzung fehlte; nur einige Verstümmelte hockten auf den Rahen und schnitten Grimassen. Sie waren vor Schreck wahnsinnig geworden. Ihre Ladung war Florentiner Brokat und lombardische Mützen. Vor drei Tagen waren sie überfallen worden. „Hui“, rief einer, auf einem nackten Widder-Gallion reitend, immer: — — „die Weiberchen“ und schälte mit einem Nagel an dem Horn. Man ließ sie weiter treiben. Man war auf der Spur. Mittags brannte es neben der Munition.
Sie fuhren die Küste von Tunis entlang. Der Abend war ruhig, und es ging kein Löffel Wind. Die Ruder liefen langsam und fast ohne Geräusch. Las Casas saß in seinem Sessel und fühlte die gewaltige Stille und das maßlos blaue Meer, auf dem die Sonne schwamm. Er wollte seine Gedanken davon lösen, aber es legte sich über ihn. Er befahl zu musizieren, die Offiziere warnten. Doch er ließ die Stücke abfeuern und mit achtzig Rudern das Meer aufwirbeln. Aber die ganze entfesselte Wut war wie das Hüpfen einer kleinen Welle gegen das Ungeheuere um ihn, dessen Stummheit ihn mit tausend Stimmen: Juana! anschrie.
Da ließ er den Gedanken fahren, ihr die Kette zu senden und löste sie von seinem Gürtel und warf sie ins Meer, daß sie seine Gedanken nicht zwänge.
Eine halbe Stunde darauf kamen sie zu den Zaffarin-Inseln. Sofort meldete es von oben: „Zwei Gallionen.“ Las Casas kletterte selbst hoch, beschirmte die Augen. Es waren Mudjaren und Araber, die furchtbar ruderten. Er sauste herunter. Seine Blicke schossen in die Sklaven. Er schrie schäumend, und die Ruder überschlugen sich. Immer rascher raste seine Stimme, die selbst den Takt sang. Sie kamen näher. Schon lösten sich vorn Geschütze. Doch trafen sie nicht. Die Galeeren waren schon so dicht herangekommen, daß die Soldaten anfingen, in die kleinen Schiffe zu feuern, andere die Haken bereit hielten. Da schwenkten die Gallionen, ein Vorsprung verschluckte sie. Die hinterste hißte eine Fahne. — — — — — — —: Schwarz, ein goldener Arm mit einem Säbel und ein Totenkopf — — — die Flagge der Hauptschiffe Yousoufs.
Las Casas blieb bleich und beherrscht. Er wählte einen großen Araber und ließ ihn hinrichten (er wollte sie zwingen, stärker zu fahren), daß sein Blut in einer dünnen Rinne den anderen Sklaven zwischen die Füße lief.
Er betrachtete sie genau während des Vorgangs. Doch es erschien kein Ausdruck auf ihren von Stumpfheit abgefeilten Gesichtern.