In der Nacht umruderten sie die Inselgruppe. Fortwährend gingen Signale hin und her. Am Strand liefen zwei Fackeln in spiralenhaften Biegungen durcheinander. Von der Mitte einer Insel schoß in Abständen ein weißliches Feuer hoch. Ein dumpfer Gong bellte eine Zeitlang über das Wasser.
Las Casas stand weiß und die Zähne zusammengeschlagen auf der Poppa. In der Dunkelheit konnte er nicht landen. Er war fünfhundert Meter von dem Bassa und konnte ihn nicht fassen. Die Sklaven ruderten die ganze Nacht in Schweißwolken gehüllt. Es roch noch nach Blut.
Am Morgen brachen zwei Gallionen, als es noch dunkel war, nach verschiedenen Seiten durch. Sie hörten auf den Galeeren nur ein fernes Brausen, als streiche ein großer Vogel mit der Brust über das Wasser.
Las Casas folgte mit zwei Schiffen nach Tres Forcas zu. Die andere Galeere schwamm eine Stunde nach Westen. Der Offizier ließ dann die Lichter löschen, Anker werfen und ruhen. Denn ihm schien das Tempo Las Casas’ wahnsinnig.
Bei Tag sahen sie am Horizont die Gallione. Sie hetzten den ganzen Tag, verloren sich, fanden sich. Inseln und Buchten der Küste versteckten sie. Am Abend trieben sie sie auf hohe See, doch fraß das Dunkel sie weg. Die Nacht kreuzten sie vor dem Land und fanden sie gegen Mittag im Kreise treibend auf dem Meere. Die Besatzung war geflohen. Sie sprangen hinüber. Am Mast stand ein großer athletischer Türke. Die Sonne brannte mit weißer Glut. Die Planken waren gesprungen. Der Türke war mit nassen Stricken an den Baum gebunden, die Seile hatten sich gestrafft in der Hitze und ihm das Fleisch eingeschnürt, bis es geplatzt war.
Er warf ihnen Worte entgegen, die sie stutzen machten. Da sprang einer vor und deutete in sein Gesicht. Die anderen schrien mit auf. Sie erkannten ihn an dem einen grünen Auge. Sie schnitten ihn los, aber seine Haltung, die ihre Wut durch Geringschätzung niederdrückte und ihre Freude ihnen selbst verächtlich erscheinen ließ, bewahrte ihn davor, daß sie an ihn rührten.
Sie suchten noch zwei Wochen nach Las Casas. Als sie ihn nicht fanden, brachten sie den Bassa nach Cartagena. Auf alle Verhöre schwieg er. Das Volk schrie nach Las Casas, als man ihn zur Exekution führte.
Juana weinte vor Zorn, daß Las Casas’ größter Ehrgeiz, dem er sie opferte, von einem Subalternen blind und dumpf ausgeführt worden sei. Sie empfand es, als hätte man ihren Körper beschmutzt, und schien sich gering geworden.
Auf dem Gang zur Exekution drehte sich der Gefangene um und sagte kalt: „Ist es zum Tod?“
„Ja!“ . . . brüllten ihm zehn ins Gesicht.