Die Wüste war flach, ein wenig gewellt. Dann ritten sie eine hohe Düne herunter. Ein Park von Zelten in grellem Karmesin, Gold und Grün stand um ein paar Bäume und einen Brunnen. Las Casas trank Wasser. Abends fragte er, ob sie ihn zu Yousouf brächten. Sie grinsten: Nein —! Da wuchs alle Kraft in ihm und durchbebte ihn wieder.
Er liebkoste mit den Schenkeln sein Reittier: „Gute Stute . . .“ Denn seine Hände waren gebunden. Nachts ritten sie in eine Stadt ein, er schritt durch Gewölbe und Gänge und stand in einem Zimmer, plötzlich, mit hellgelben Steinen, zwischen denen dunkle Ziegel in Figuren saßen. Eine Laterne stand auf dem Tisch, Wein, Brot, Früchte.
Kurz darauf erhielt er den Besuch eines schönen bärtigen Türken. Sie verhandelten über sein Lösegeld. Während sie sprachen, senkten des Türken Augen sich auf den Tisch. Blitzhaft zuckte Las Casas’ Hand hoch, ein wenig. Sein Dolch lag auf dem Tisch, den man ihm gelassen hatte. „Gib dir keine Mühe!“ lächelte der Türke. Der Marques hatte die Waffe schon gepackt. Er sauste mit einem heftigen Sprung durch die Tür. Er sauste gegen einen dreifachen Ring Eunuchen, ohrfeigte einen aus Zorn und kehrte ruhig zurück. „Ich sagte es dir“, achselzuckte der Türke, ein bißchen beleidigt.
Allein er ließ ihm den Dolch.
„Sag mir das eine!“ fragte der Marques scharf. „Bin ich bei Yousouf Bassa?“
Der andere lächelte: „Nein.“
Sie einigten sich über das Lösegeld und Las Casas blieb allein. Es ging schon gegen Morgen. Er untersuchte sein Zimmer und schlief dann.
Drei Tage darauf entfloh er nachts. Die Tür war nicht verschlossen und er sah keine Wache. Er stieß sich mit vorgestreckten Armen in das Dunkel eines Ganges hinein, der sich in Windungen hinzog. Es roch modrig. Von Zeit zu Zeit merkte er, daß Querstollen den Hauptgang kreuzten, aber er mied sie. Plötzlich fühlte er Schwindel, und die Furcht, daß er sich im Kreise bewege, zog ihm das Blut aus dem Gesicht. Er fühlte im Dunkel, wie er bleich ward und schlug hastig den Gang in einen Kreuzstollen ein, der das Gewölbe durchbrach. Als er ein paar Minuten sich die Wände entlang getastet hatte, bog der Stollen rechtwinklig ab, eine Dämmerung schwoll auf, leichte Helle lockte, und er folgte der Anziehung eines blauen Lichtes, das größer wurde und ihm entgegenströmte im Nahen und Mond ward . . . und ihn hinauszog auf einen Hof, der ganz durchflutet war von dem Licht.
Zwei große Steinlöwen lagen einander zugekehrt in der Mitte, als schwämmen sie auf dem Glanz. Aus Mäulern und Nüstern stiegen ihnen blitzende Strahlen Quecksilber.
Las Casas schlich über den taghellen Hof, an die Mauer geduckt und von dem schmalen Gurt ihres Schattens bedeckt. Vor einem Fenster standen zwei Palmen. Er zwängte sich hindurch und sah hinein.