Las Casas drehte sich wieder langsam nach ihr. Da fuhr ein Lachen mit tausend süßen Spitzen in ihr Gesicht: „Alle Querstollen führen in den Hof“, lachte sie. Sie krallte die Hände auf und hielt sie ihm vor das Gesicht. Dann lenkte sie ab: „Deine Haut ist schön. Sie ist nicht weiß und nicht sehr braun . . .“ Sie strich mit der Handfläche neugierig und schauernd über seinen Hals.

Der Marques packte ihre Hand und warf sie mit spitzen Fingern zurück. Sie zog sie erstaunt an, legte sie in die Achselhöhle des anderen Arms und senkte den Kopf schräg. Sie war enttäuscht und drohte ihrem hellbraunen Spielzeug überrascht:

„Wenn ich will, kann ich dich an das Bein einer Kamelstute binden lassen, die nach Tripolis geht. Du bekommst Schläge unterwegs und faules Wasser zum Trinken. Oder du mußt Sand scharren im Hof, und wenn es mir paßt, auf dem Kopf stehen und durch die Nase lachen.“

Ihr Mund verzog sich in ein glitzerndes Lachen. Rasch flog ihr Fuß aus dem Pantoffel, das Bein schoß schlank aus dem weißen Hemd, hob sich und zupfte ihn mit den Zehen am Schnurrbart. Las Casas schlug mit der Hand hart auf den Fuß, der sich zurückzog.

Er stöhnte auf vor Schmach und schien sich gering gemacht und wie ein Schwein oder gleich einem Hunde, mit dem man spielt. Sie sprang auf ihn zu und drückte sich an ihn und strich ihm über den Arm und den Hals. Sie begriff ihn nicht. Aber sie wollte ihn besänftigen. Doch er warf sie, während seine Finger die ganze Schönheit ihres Körpers begriffen und im Gefühl bewahrten, ins Zimmer zurück. Sie taumelte gegen die Wand, stieß einen kleinen spitzen Ruf aus, zog ihr Tuch bis unter die Augen und ging.

Einmal noch floh Las Casas.

Allein er kam in einen Garten, wo Mekkije mit vielen Begleiterinnen dunkelblaue Bohnen und Winden begoß.

Er wußte nun, daß er ganz — wie ein Tuch und ein Stein — in ihren Händen sei. Aber die Erniedrigung war nicht tief genug, daß er sich tötete. Er spielte oft mit dem Dolch, und sie sah ihm aufmerksam zu. Einmal setzte sie sich auf seine Knie und flüsterte etwas in sein Ohr, das er nicht begriff und das sie nie wiederholte. Er sank, sank mehr. Um so stärker aber stieg das Bewußtsein der Berufung in ihm.

Mekkije streichelte ihn oft und lächelte, wenn er sie abschüttelte, obwohl sie sah, wie seine Lippen brannten.

Doch langsam sahen Las Casas’ Augen sie nicht mehr. Sie sahen trüb aus wie Zisternenwasser. Es schien, als glotzten sie nach innen. Sie versuchte es drei Tage nacheinander und hielt ihm ihren Finger vor die Pupille und stieß danach. Sie brachte keinen Reflex heraus. Dumpf schwamm der Stern auf dem Weiß.