Die Brust des Schlosses stürzt vor meinem Blick mit einer Glaswelle über den Abgrund.

Da steigt und bäumt das Gebirge draußen auf hinter dem Glassturz, flammt im Saublut des Mittag, steigt und brüllt und saust und sinkt hinter die glitzernde Scheibe wie eine geblasene Spiegelung.

Eine Sekunde schwebt auf den Wagbalken.

Welches ist die Welt, die eigentlich mich explodierende, aufschwingende: draußen das? Hier? Ist draußen das ein Phantom, was ich liebe zum Verrücktsein, die Brust der Alpen, an denen selbst die Schweine gut wurden, das Hochkar, das gleich machte, das Menschliche aufschälte wie eine Orange, Lawinen, dressierte Sturmflocken, die Mutterbrüste der Schneehimmel, an denen wir hingen, an ihrem fahlen Zinnglanz schmatzend, saufend, mit vollen Mäulern? Ist das nichts, nicht ein Winterinhalt, ein Leben? Verzuckt es hinter dem Glas? Hält nicht stand dem Leben hier drinnen, dem wilden Geruch aus dem Jahrhundert, der Gebärde schrankenlos aufsteigenden Daseins, verwirrenden Gobelinsprüchen, Waffen, dem Bauch des Michelangelos Tritonen? Wird es schon Blase. Zerplatzt, abgenutzt, blaß, ein Nichts? Blähung, die mir ins Gesicht fährt? Spiegelung, die mein Blut betrog. War mein Leben umsonst?

Da dreht Kerstin ihre Hüfte in die bebende Sekunde mit einer Bewegung der Achsel, wie, mit Kristianiaschwung brausend, sie gestern bremste, als neben mir, in Hosen die schönste Statue, sie in den flamingonen Abend mit mir vom Gletscher schoß. Die Wagzunge bebt.

Die Wage schwankt, geht hoch.

Ich sehe endlich ihr wahres Gesicht, ihr Gesicht.

Mit leidenschaftlicher Durchdringung durchsüßen die Bogen der Schneefelder, wie herübergeschienen, ihre Haare, die Brauen. Sie spiegeln sich ineinander in tiefem Hingegebensein, bis sie, sich vertauschend, vergehen.

Es war, als mische in einer unlösbaren Sekunde die Landschaft und das Weib sich, die wir beide nur durcheinander ganz zusammen und vereinigt unendlich lieben und erfassen können bis zum Tode, auf ihrem Gesicht zu einer Vollendung, in der die Glut keines Sommers, das Zucken keiner Umarmung, nicht die Ausschweifung der Mondnacht, keine Gefahr, Demut und Riskieren, und die blutige Wut keines Eistages fehlte.

Wie strudeln die Weidenbäume märzlich herein! Suchen Schneeflammen sich an dir zu zerstören. Tost der Kessel vom Signal des Bobs und erschüttert der Himmel sich mit Süße!