„Nein.“
Denn ich kann dieser schrägen Richtung deines Blickes nicht folgen, Uga, die blühende Sicherheit deines Atems Lil Pax entgegenzuführen, denn ich weiß nicht, ob sie geneigt ist, soviel tierischer Anmut sich hinzugeben. Die sie entführende Wolke ihres Schicksals schiebt sich immer tiefer und geballter unter ihre Füße. Und ich will nicht, daß, von soviel unübertrefflicher Geschmeidigkeit deines Lebens getroffen die jüdische Madonna einen Augenblick nur erstarrt vor der kugelbrüstigen Diana.
Denn du bist von ihr getrennt durch alle Zonen des Blutes und in deiner fürchterlichen Mischung, die von der Grausamkeit der Göttin bis zur elastischen Stärke der irdischen Hüften sich wundervoll ausdehnt, zu weit entfernt von ihrem Pol des Entsagens, als daß du nicht ohne Gefahr der Zerstörung zu plötzlich mit ihr zusammenstießest.
Ich liebe dich, Uga. Ich habe mit einem Zittern des Herzens und nicht ohne demütigen Eifer meine Sehnsucht der deinen genähert. Du begrenzest in einer unnatürlichen Höhe alles, was nur Wünschbares bis zum Unmöglichen mein Blut durchfährt.
Aber Uga, wenn du die weitesten Kreise, die von dieser Frau zu dir gespannt sind, durchjagst, auch durch die Kreise deiner Vollkommenheit, Uga, empfinde ich nichts als ihr Schicksal.
Wir fahren nach einer Schneehütte am Gletscher. Die Woche senkt sich. Die Einsamkeit steht zwischen uns und den Menschen, das ist Glück.
Brächten Bauern auf ihren Ochsenschlitten Flieder statt Heu auf unsere Höhe, während sie schläft, in der Sonne vor der Hütte, ich dächte, der Himmel, der herabkommt auf ihren Busen, habe ihn abgeschneit. Die Lichter der Taldörfer, der Berghänge unten sind am Hintergrund unserer Einsamkeit aufgezogene Zeichen der Menschen, die wir geheim verlachen in unserer Ruhe.
Nur einmal, als dumme Passanten, halb getötet vom Aufstieg aber ihre Niedrigkeit mit sächsischem Geschrei schamlos preisgebend, uns nahten, hatte sie Gelegenheit, mild und im Erklären sich neigend, eine Größe zu beweisen, die weit das mitleidlos spöttische Lachen der Göttin übertraf.
Die Rührung über das Glück hat die Grenze erreicht, wo das Alberne ein Geschenk wird, wenn man es gibt. Der Himmel wogt unerbittlich durchblaut. Hinter dem Gebirg berührt er meine Kindheit:
„Als ich klein war, Uga, ward ich krank und bekam den Pudel Fosko. Mein Bruder stahl ihn in einem Zirkus. Wie lag ich im Bett und verzehrte mich, aufzustehen, um das Gartenviereck mit ihm zu rennen und ihn zu hetzen, daß er Wildkatzen zerbeiße. Zehnjährig habe ich auf dem großen Gut Tivolis im Bett meines Cousins Zigaretten versteckt und in den Matratzen vergessen und erwartete Monate die Entdeckung, und daß man mich als Verworfenen an den Pranger schlug.