Die Neubauten unseres Villenviertels habe ich alle gekannt, die Mädchen liefen mir nach hinein, wo die Labyrinthe von Keller und Dachstiege geheimnisvoll sich begegneten.
Unterm Damm durch den Teich vor unserem Haus beerdigten wir Eichhörner und bissen die Zähne aufeinander, so bedrückte es uns, daß wir mit Quarzsteinen sie aus den Lärchenwipfeln geschmissen, aber zum Fest der Vollendung haben wir eine Dogge, den Feind, in den Maulbeerbaum gehißt. Einem Dobscher, der von Rennfahren träumte, fuhr ich im Rollwagen des Steinbruchs die Kniescheibe durch, daß er schneidernd bald bei der Petrollampe flirrte.
Als die Canneri, die das bezauberndste Lächeln trägt, mit goldnen kurzverschnittenen Locken mich als Jungen sah, stand sie kerzengrad im Wagen auf mit dem Lorgnon und rief: quel bel homme. Meine erste Geliebte quälte ich, als ich noch nicht wußte, daß Liebe kein Gesetz, sondern nur eine Masse Zufälligkeit, und nicht ahnte, daß man Frauen eher besitzt, wenn man verstößt, als wenn man bindet, meine erste Geliebte quälte ich durch Fragen, ob sie mich als Krüppel noch liebe und prügelte die Arme, als sie entsetzt auswich.
War etwas gut, etwas schlecht? Es ist eine Kindheit. Sie lebt wie ein Baum, ein Fuchs. Sie schüttelt und biegt sich vor Wachstum. Sie fliegt auf und ab, als ob du mit ihr spieltest, und ist in ihrer märchenhaften Gemaltheit deinem Lächeln dieser Stunde verbunden, dessen Leichtheit so schon gelöst ist, daß es die Einsamkeit spiegelt. Das ist unsere Brücke. Wie unwichtig unser Gram. Wie kindisch selbst das Schwerste.
Verstehst du, Uga . . . . .
du bist nicht Schwan, nicht Gazelle, von denen ich Fieber und Glanz an dir beim ersten Anblick schaute. Du bist vielmehr mit der scharfen Schmalheit deines federnhaften Augenlides zu sehr vermählt an das schwingende Brausen des Blaus, als daß du anderes wie Schwebendes vertrügest.
Ich habe am Sinai deine Mutter gesehen, die, weiße Adlerin, auf unser Auto herabstieß. Ihr Geschlecht allein, das drei Jahre lang die Welt durchfliegt, und dann mit einem Weib ausharrt unerbittlich bis zum Tod, hat die für dich genug beherrschte Ruhe.
Nur deine Farbe ist verändert und aus der Helle herausgetreten, als hättest du, während ich schlief, in Marokko Jagden durchstreift und von einer Hecke Ginster, die du berührtest, auch den Goldton deiner Kniekehlen auf den Berg getragen.“
. . . . . . Der Firnschnee fällt, naß und glatt, man braucht die Skier nicht mehr zu wachsen, der letzte Schnee. Enzian flammt auf den Matten überall, als wir hinunterzogen.
Südlich duften die Veilchen mit Heftigkeit. In tiefen Tälern meiner Heimat blühen Kirschen, Mirabellen. Die Aprikosen tauen aus rosanem Morgen noch heller.