In dem Augenblick, wo Shanvady, der Seelenfänger, ihn unterjocht dachte, weil er endlich seine Apathie in die Maschen eines unlösbaren Reizes in der Falle glaubte, riß er den Zauber durch, den Shanvady auf ihn ausübte.
Es gelüstete ihn nicht, das Geheimnis zu lösen. Er ließ es fahren ungeöffnet. Es reizte ihn nicht mehr.
Wie unter einer abgründischen Melodie trieb es weg wie alles wegtrieb, was an ihm gezogen. Als Zuschauer floß ihm dieser Tag fort wie jeder andere Tag, er vergaß ihn, vergaß die vorigen. Als sein Auge Shanvady traf, der mit einer leisen Gebärde seine Überlegenheit hißte, erbleichte Shanvady unter dieser unbeweglichen Kälte, die nichts rührte. Die Gebärde zerbrach mitten im Schwung.
Harri sah schon durch Shanvady hindurch, all der Plunder um ihn zerfiel.
Es war grauenhaft, mit welcher Leichtigkeit er sich auch aus dieser Atmosphäre löste. Sein Hirn war plötzlich nur eingestellt von dem Drang wegzufahren, das erfüllte ihn mit einer wunderbaren Helligkeit, er kam sich den Abend von solcher Leichtigkeit getragen vor, daß es ihm schien, er vermöge die Erde auf den Spitzen der Finger zu halten.
Als er aufwachte, sagte ein Brief Jujus, daß sie abgefahren, aus Eifersucht auf Maman. Am Tag zauberte Shanvady noch einige spielerische Dinge, die ihren Kreis um alle Anwesenden spannten. Anastasia war die Nacht verschwunden. Mittags brachten die Weisheitsschüler ihre Kleider, widerstrebend, an den Zipfeln, da die Georgesleute sich geweigert hatten, die Jünglinge Holzers aber unter Weheruf den Ort geflohen seien, wo Weiberkleider lagen.
Da sie am Fluß lagen, bedeutete es Anastasias Tod. Eine Zeitlang plauderte Holzer, dann stand er langsam auf, mit seinem gebräunten Schnurrbart wie ein ägyptischer General, griff in den Mund, riß das Gebiß mit den vielen Goldplomben heraus, zerschlug es am Boden, gurgelte nwao . . . uaiii. Sah um sich, nichts als Jugend und ging an einem Stock hinaus ins Greisenalter, gehässig, demütig, ein röchelndes Skelett.
Mit einer zärtlichen Bewegung öffnete nunmehr Shanvady den Ring dieser Katastrophe, in der er Schicksal gespielt, Anastasia nach Genf beordert, die Maskerade zur Tragödie getürmt, mit heiterem Nachspiel, indem er den Hausintendanten mit Halali nun und freiem Pirsch dem Weib nachschickte, in seinem eigenen Wagen, von Tränen des Glücks überschwemmt und in himbeerroter Livree.
Es half Shanvady nichts, diese Kritzeleien. Am Abend fuhr Harri. Im Wagen des vierzehnten Ludwig, karmoisin und golden, mit sechs Pferden, eine Krone als Abschluß, Fackelträger, Reiter, vor ihm, hinter sich. Shanvady reizte ihn mit nichts mehr. Vorbei.
In Paris lernte er Blériot kennen. Der Meister hatte gerade den Kanal überflogen, die Welt schien von Möglichkeiten um so tiefer ins Herz bedroht, als die neuen Waffen noch phantastische Erweiterungen zuließen und fast noch keine Pioniere hatten. Zweimal fuhr er mit Blériot als Passagier, schon figurierte sein Bild neben dem Blériots im „Journal“, „Matin“, „Petit Parisien“. Auf dem Marsfeld stellte des Meisters Handbewegung ihm Maud Kordelin vor.